VEROEFFENTLICHUNGEN
GIOVANNI SALUCCI IN DEN BESCHREIBUNGEN EINES FREUNDES
Vorwort von Dr. Wolfgang
Schuster, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart
- Es ist nicht von ungefähr, daß es viele deutsche Touristen
immer wieder in die italienischen Städte zieht, wo sie überall
Zeugnissen einer faszinierenden Baukunst begegnen.
- Durch ein oftmals perfekt gestaltetes Ensemble von Gebäuden und
Plätzen ist die wohl wichtigste Voraussetzung für ein buntes
und pulsierendes Leben geschaffen, von dem manche deutsche Stadt nur träumen
kann.
- Geht man heute durch Stuttgart, so stößt man glücklicherweise
noch auf eine Reihe hervorragender Bauwerke des in Florenz geborenen und
gestorbenen Hofbaumeisters König Wilhelms I. von Württemberg
Giovanni Salucci.
- Nicht auszudenken wäre es, wenn diese Monumente seiner herausragenden
Baukunst den Krieg oder die städtebauliche Neuordnung in den fünfziger
und sechziger Jahren nicht überdauert hätten. Man kann im übrigen
für Stuttgart nur bedauern, daß viele seiner Pläne nicht
verwirklicht werden konnten.
- Ich freue mich, daß die Erinnerungen über Leben und Werk
des Giovanni Salucci Fiorentino, die nach seinem Tode von seinem Freund,
dem florentinischen Architekten Giuseppe Ponsi geschrieben wurden, in diesem
Büchlein wieder veröffentlicht werden. Es wird dazu beitragen,
nach der letzten Ausstellung zum 150. Todestag Saluccis im Jahr 1995 in
dem von ihm geschaffenen Wilhelmspalais wieder an diesen "Ersten Architekten
des Königs von Württemberg" zu erinnern.
-
- Dr. Wolfgang Schuster
EINLEITUNG von Dr.
Umberto Vattani, ehem. Botschafter Italiens in Bonn
- Unter allen Veranstaltungen, an denen ich während meines vierjährigen
Aufenthalts in Bonn in allen Landschaften Deutschlands teilgenommen habe,
gedenke ich besonders lebhaft der Ausstellung, die die Stadt Stuttgart
im Mai 1995 zum 150. Jahrestag seines Todes einem italienischen Architekten,
Giovanni Salucci, widmete, der in Italien nicht sehr bekannt ist, doch
von hohem Wert ist, weil er durch sein Werk im vergangenen Jahrhundert
Stuttgart und andere Städte Baden-Württembergs städtebaulich
geprägt hat.
-
- Bei der Eröffnungsfeier hatten mich die Worte des Staatssekretärs
Werner Baumhauer besonders beeindruckt: "Dank der neoklassizistischen
Gestaltung kann Stuttgart Berlin Karl Friedrich Schinkels und München
Leo von Klenzes gleichstehen". Eine sehr wohl verdiente offizielle
Anerkennung, weil der Name und die Werke des toskanischen Architekten zur
Geschichte der Stadt und des Landes gehören.
- Die Geschichte Saluccis, der im Dienst König Wilhelms I. in Stuttgart
von 1817-1939 stand, ist eines der vielen Beispiele, die eine einzigartige
Erscheinung in der Geschichte des alten Kontinents bezeugen: die ständige
Präsenz von italienischen Architekten und Erbauern in anderen europäischen
Ländern.
- Vor allem Deutschland war zu jeder Epoche eines der bevorzugten Ziele
unserer Künstler, die in den Städten, wo aufgeklärte Fürsten
und Vertreter eines reichen Bürgertums, die äußeren Einflüssen
offen gegenüberstanden, auf die italienischen Muster schauten, um
ihre Residenzen zu verschönern, bevorzugte Stellungen erreichten.
- Die Auswanderung italienischer Künstler innerhalb Europas, die
nach der großen Zeit der Renaissance fast systematisch wurde, ist
etwas, was außer zur Römerzeit nie zuvor stattgefunden hatte.
Die Römer waren die ersten, die in die Reichsprovinzen Architekten
und Baumeister schickten. Man denke nur an ihre monumentalsten Werke, die
sich bis in die heutigen Tage erhalten haben, wie die Porta Nigra in Trier,
das Amphitheater in Nimes, die Nerosäule in Mainz, die zahlreichen
Brücken und Aquädukte, die die Touristen entlang den europäischen
Straßen bewundern können.
- Die Chronik erzählt, daß Salucci, Anhänger Napoleons
und der Eintagsfliege, der 1802 von seinen Armeen gegründeten Italienischen
Republik, nach dem Wiener Kongreß und dem Aufkommen der Restauration
aus dem Großherzogtum Toskana fliehen mußte und 1817 über
die Schweiz nach Stuttgart gelangte.
- Viele andere waren in den vorangegangenen Jahrhunderten denselben Weg
über die Alpen gegangen, und andere gingen ihn danach, einer Tradition
folgend, die sich bis in unsere Tage fortsetzt. Von diesen kennen wir die
berühmtesten, die die wir in den Kunstgeschichtsbüchern finden,
wie Bartolomeo Francesco Rastrelli (1700-1771), der im Dienste Peters des
Großen stand und das Winterpalais in St. Petersburg erbaute; sein
origineller Barockstil machte im zaristischen Rußland Schule. Andere
erstrangige Architekten wie Giacomo Quarenghi (1744-1817) und Carlo Rossi
(1775-1849) trugen zur städtebaulichen und monumentalen Entwicklung
der russischen Hauptstadt bei.
- Oder Andrea Palladio (1508-1580), der nie ins Ausland ging, aber durch
verschiedene theoretische Schriften zu einer außerordentlichen Verbreitung
seiner Kunst in ganz Europa und dann in Amerika beitrug. Ganz im Stile
Palladios war die Architektur Groß-Britanniens im 17. und 18. Jahrhundert.
Und auch in Deutschland fehlten nicht die Nachahmer des Künstlers
aus Vicenza und Bewunderer, unter denen selbst Goethe war.
- Viele wurden fast völlig vergessen. Sicherlich waren sie nicht
alle Begründer einer Schule, doch müssen wir anerkennen, daß
viele von ihnen sicherlich eine signifikante Rolle bei der Verbreitung
in Europa und der Welt jenes Formempfindens, jener Ausdruckskraft und jenes
Sinns für die richtigen Proportionen, die die Italiener bewiesenermaßen
mehr als jedes andere Volk besitzen, gespielt haben.
-
- Gerade hier in Deutschland haben wir außer dem Florentiner Salucci
Beispiele anderer italienischer Künstler, die heute fast vergessen
sind, die diesem Land viel gegeben haben und von denen wichtige Zeugnisse
bleiben.
- In Württemberg verdient der Lombarde Leopoldo Retti (1704-1771)
Erwähnung, der das Schloß konzipierte, den Stadtbauplan von
Ludwigsburg und danach das Neue Schloß in Stuttgart gestaltete, das
mit seinem eleganten Barockstil zum Symbol der Stadt wurde. Im Rheinland
hatte zuvor Alessandro Pasqualini (1493-1555) gewirkt, der mit dem Bau
des Forts von Jülich, in der Nähe von Köln, mit der typischen
Sternform des 16. Jahrhunderts, die Überlegenheit des italienischen
Geniums bei der Militärarchitektur bewies.
- Unter den italienischen Architekten, die im Dienste von zwei großen
Mäzenen, August II. und August III., Kurfürsten von Sachsen und
Könige von Polen, standen und die einige elegante und repräsentative
Bauten am Ufer des Flusses nach dem Beispiel des Canal Grande in Venedig
erbauten, könnte man den Römer Gaetano Chiavari (1689-1770) nennen,
der die Hofkirche baute. Doch ein noch signifikanteres Beispiel ist vielleicht
die Geschichte der Architekten- und Szenographenfamilie aus Arezzo, Galli
da Bibiena, angefangen von den Brüdern Ferdinando Maria (1657-1743),
Francesco (1659-1739) und den zwei Söhnen des ersteren, Alessandro
(1687-1769) und Giuseppe (1696-1756), die fast immer in Deutschland verweilten
und die Hoftheater Mannheim, Braunschweig und Bayreuth konzipierten. Man
könnte weitere Namen nennen, indem man in München an Architekten
erinnert, von denen heute keiner mehr den Namen weiß, die jedoch
unzählige Bauten errichteten.
-
- Die Initiative Bruno Zorattos ist daher lobenswert, eine moderne deutsch-italienische
Ausgabe des Memoiren-Buchs "Vita ed Opere di Giovanni Salucci Fiorentino",
vom Freund Giuseppe Ponsi geschrieben, herauszugeben.
- Es ist sehr bezeichnend, daß ein Italiener, der seit langen Jahren
in Deutschland lebt, ein wegen seines sozialen und politischen Engagements
über die Migrantenprobleme bekannter Journalist, eine Persönlichkeit
wie den toskanischen Architekten Giovanni Salucci wieder entdeckt hat,
um dessen Leistung für die Stadt Stuttgart und Baden-Württemberg,
d. h. ein Land, wo heute eine der größten italienischen Kolonien
der Welt lebt, aufzuwerten.
- Auf Zoratto ist eine andere Initiative zurückzuführen, die
den schon erwähnten Leopoldo Retti ins öffentliche Bewußtsein
rückte, der auch im vergangenen Jahrhundert im selben Land tätig
war, was kürzlich die Stadt Stuttgart dazu veranlaßte, ihm eine
Straße zu widmen.
- Den Ursprung der italienischen Präsenz in Baden-Württemberg
zu erforschen und die Spuren der Kunst der ersten Landsleute, die, wenn
auch aus verschiedenen Gründen, hierher übersiedelten, trägt
zur Unterstreichung der Rolle unserer Kolonie in Deutschland und der Schätzung,
die sie in der örtlichen Gesellschaft genießt, bei und stellt
etwas Positives dar.
- Dieses Nachdenken über die Kontinuität unserer Präsenz
in Deutschland, die ihre Wurzeln weit in die Geschichte treibt und die
Migrantenflüsse der Zeit nach dem 2. Weltkrieg vorwegnimmt, müßte
uns anspornen, auf dem Weg Zorattos weiterzumachen: mit Veranstaltungen,
Veröffentlichungen und anderen Initiativen die Aufmerksamkeit der
örtlichen Behörden und der hier ansässigen Italiener auf
unsere Architekten, Baumeister, Skulptoren, Maler und Handwerker zu lenken,
die in der Vergangenheit viel für dieses Land getan haben, nicht nur
auf künstlerischer sondern auch auf ziviler Ebene.
-
- Diese Tradition italienischer Kunsttätigkeit in Deutschland setzt
sich bis in unsere Tage fort und erneuert sich gerade in der neuen deutschen
Hauptstadt: Hier vergrößerte sich unsere Kolonie in den letzten
Jahren durch die Tätigkeit zahlreicher Unternehmer aus Italien, die
durch die imponierende Bauentwicklung angezogen werden. Nicht nur Baumeister
und Belegschaften sondern auch berühmte Architekten wie Renzo Piano,
Aldo Rossi und Giorgio Grassi haben in internationalen Ausschreibungen
zur Gestaltung von Plätzen und Museen Berlins den Sieg davongetragen
und arbeiten an der städtebaulichen Gestaltung des Stadtzentrums.
- Ihre Tätigkeit stellt einen Image-Erfolg für die gesamte
italienische Kolonie dar, die ihrerseits ein stets wichtiges Vehikel zur
Verbreitung der italienischen Kultur und zur Behauptung unserer Wirtschafter
sowohl in Berlin als auch anderswo gewesen ist.
-
- Dr. Umberto Vattani
Zur Sache
- Wer war Salucci?
- Auch unter Gebildeten ist der Name Giovanni Salucci nicht so bekannt;
besonders in Italien, wo der Baumeister sich künstlerisch auf eine
normale Tätigkeit eines Militärarchitekten beschränkte.
Man braucht sich daher nicht zu wundern, wenn der Name dieses Künstlers
des 19. Jahrhunderts in Deutschland, genauer in Württemberg, eher
bekannt ist. Hier hat tatsächlich Salucci seine künstlerische
Tätigkeit ausgeübt, die in einem von Giuseppe Ponsi, einem Freund
des Künstlers, herausgegebenen Bericht beschrieben wird.
- Diese Memoiren Ponsis werden regelmäßig zitiert, wenn jemand
die objektive Kenntnis dieses "rüden Toskaners" vertiefen
möchte. Diese Memoiren sind fast unauffindbar, doch gleichzeitig sind
sie interessant, weil sie die Persönlichkeit eines Menschen beschreiben,
die der Verfasser sehr eng gekannt hat. Sie sind in Florenz am 5. August
gedruckt worden und am 12. desselben Monats veröffentlicht, 5 Jahre
nach dem Tod Giovanni Saluccis, und zwar im Jahr 1850, in einer Auflage
von 152 Exemplaren, wie der Verfasser auf dem von ihm verbesserten Exemplar
anmerkte, das wir den Lesern dieser exklusiven zweisprachigen Veröffentlichung
unterbreiten.
-
- Es steht außer Zweifel, daß Stuttgart dieses großen
italienischen Architekten gedenkt. Es ist kein Zufall, daß bei der
Feier des 16. Mai im Max-Bense-Saal der Stuttgarter Stadtbibliothek in
Anwesenheit des Bürgermeisters, Dr. Wolfgang Schuster, und des Finanzintendanten,
Prof. Dieter Hauffe, der Staatssekretär Werner Baumhauer seinen Beitrag
mit dem Vorlesen eines Briefs eines unserer Landsleute begann (einer der
vielen), der sich bei der Stadt und bei dem Land für die löbliche
Initiative bedankte.
- Vor zwei Jahren erschienen im Mai 1995 anläßlich des 150.
Jahrestags seines Todes (1769-1845) zwei wunderbare Bände, die den
Werken des Meisters gewidmet sind.
- Der erste "Giovanni Salucci, Hofbaumeister König Wilhelms
von Württemberg/1817-1839" betitelt, wurde, reich bebildert,
unter der Schutzherrschaft der Oberfinanzdirektion Stuttgart und des Kulturamts
der schwäbischen Metropole, die damals noch von Manfred Rommel, dem
Sohn des großen Feldmarschalls, verwaltet wurde, veröffentlicht.
Zum Werk wie auch zu den Gedenkreden leisteten ihren unersetzbaren Beitrag
Persönlichkeiten der akademischen Welt wie Otto Heinrich Elias, Annette
Köger, Gernot Närger, Wolfgang Wiese, Rainer Herzog, Klaus Merten,
Klaus Jan Philipp, Michael Wenger, Hans Lange, Paul Sauer, Regina Stephan,
Gabriele Hoffmann.
- Der zweite Band mit dem Titel "Ein König und sein Baumeister,
Wilhelm I. von Württemberg und Giovanni Salucci", herausgegeben
von Jost Jetta Verlag, Heimsheim, weist eine reichhaltige Sammlung wunderbarer
Aufnahmen von Rotrand Harling auf. Man findet eine Einleitung von Carl
Herzog von Württemberg, ein Vorwort von Prof. Dr. Karl Dietrich Adam
und reichhaltige Texte von Dr. Helmut Cerber und von Dr. Karin Moser von
Filseck, die sich als tiefe Kenner der italienischen Kultur erweisen.
- Diese Bände und die Vorträge über dieses Thema begleiteten
die Salucci gewidmete große Ausstellung, die in dem von ihm in Stuttgart
gebauten bekanntesten Palast stattfand: im Wilhelm-Palais.
- Dieser großen Ausstellung war 1965 eine bescheidenere vorangegangen,
die ebenfalls Salucci gewidmet war und anläßlich der Einweihung
der Stadtbibliothek im Wilhelm-Palais stattgefunden hatte. 30 Jahre später
wurden die Dinge im großen Stil unternommen, doch, da natürlich
die heutigen Staaten nicht die der Vergangenheit sind, mußte man
um die Unterstützung der Landesgirokasse bitten, ohne die der Katalog
nicht hätte gefertigt werden können! Wenn wir diese Tatsache
übergehen, kann man behaupten, daß die Ausstellung den verdienten
Erfolg erlebt hat und von Prominenten der italienischen Kolonie in Deutschland,
unter ihnen der italienische Botschafter in Bonn, und von auffällig
vielen Deutschen besucht wurde.
- Das Ganze zeigt die Dankbarkeit Stuttgarts, der schwäbischen Hauptstadt,
Salucci gegenüber, der insbesondere diese Stadt mit Baudenkmälern
wie dem schon genannten Wilhelm-Palais, der alten Staatsgalerie, dem Landhaus
Rosenstein, dem Königsbau, der Villa Berg, der "Wilhelma"
und der Grabkapelle auf dem Rotenberg und der Kapelle Benckendorf im Heslacher
Friedhof und außerdem dem Friedrichshafener Schloß, der Sommerresidenz
der Württemberger Souveräne, und der Villa in Weil, der Landresidenz
"italienischen Stils", Marställen in Weil bei Esslingen
verschönerte. Ein weiteres Meisterwerk dieses Künstlers, der
Königliche Marstall in der Neckarstraße in Stuttgart, wurde
dagegen in der Nachkriegszeit endgültig abgerissen, eine "normale
Sache" in dieser Zeit künstlerischer und städtebaulicher
Degeneration überall auf der Welt, jedoch typisch für diese bundesdeutsche
Republik, die sich auf der Suche nach dem Neuen und Modernen, die nicht
zu ihr passen, befindet. Nicht zufällig schreibt Giardina in seinem
Buch "Anleitung, um die Deutschen zu lieben" auf Seite 304:
- "Die deutschen Städte sind durch den Krieg dem Erdboden gleichgemacht
worden. Mit geschlossenen Augen durch das Zentrum einer deutschen Stadt
geführt, würden Sie nicht verstehen, wo Sie sich befinden, falls
Sie nicht auf die Autokennzeichen blicken"
- " Das ist das System: Die alten Gebäude werden niedergerissen,
keine Kunstwerke an sich (doch der Königliche Marstall ist eine Ausnahme
- Anm. des Verfassers), doch insgesamt fähig, eine Grundstimmung zu
schaffen; es werden postmoderne Gebäude errichtet mit großen
Kristallbogen, man setzt Lampions hin, die vage an das "fin de siècle"
erinnern, doch mit einem "Lifting" von Computerart. Lübeck
oder Mainz sind sich vollkommen gleich, es werden enorme Blumenvasen über
das Gelände verstreut. Im Zentrum des Platzes wird ein großes
Warenhaus errichtet, das die Bevölkerung nicht enttäuscht, indem
eine Vorderansicht nach Bunkerart des Typs "Weltallkrieg" gewählt
wird"
- Eine unbarmherzige doch wahre Beschreibung: Wenn es so weitergeht,
wird es in dieser Republik keine vor 1945 gebauten Häuser mehr geben!
- Das ist der Grund, warum auch diejenigen, die sich nicht besonders
für Kunstgeschichte interessieren, nicht umhin können, den Versuch,
echte Architekten wieder aufzuwerten wie Giovanni Salucci, zu schätzen.
Ein Baumeister, der Deutschland verschönert und nicht häßlicher
gestaltet hat, wie es dagegen in dieser Nachkriegszeit sehr oft geschehen
ist. Der Münchner Bahnhof ist ein deutliches Beispiel.
- Daß man seit 1945 nicht mehr in der Lage ist zu bauen, ist jedoch
nicht nur ein deutsches Phänomen: Man denke an die von den modernen
französischen "Mäzenen" befürworteten "Werke"
wie zum Beispiel die Pompidou-Bibliothek-Raffinerie oder die Glaspyramide
Mitterands. Das sind alles Scheußlichkeiten, die Paris beleidigen,
und beweisen, wie sehr jene wunderbare Stadt verfallen ist, und nur die
alten Häuser - die die Franzosen bewahren - erinnern an die Herrlichkeit
der Vergangenheit.
- Es ist merkwürdig, daran zu denken, mit welcher Heftigkeit die
vom Nationalsozialismus in Deutschland und vom Faschismus in Italien errichteten
Gebäude, wie auch die des Kommunismus im Osten kritisiert werden.
Es handelt sich um klassizierende Gebäude, die letzten Endes nicht
sehr verschieden sind von denen - äußerst schönen - die
in den USA zur Zeit Roosevelts und vorher gebaut wurden. Sie sind alle
unheimlich schön, wenn man sie mit den heutigen Widerlichkeiten vergleicht,
die unsere Städte häßlich gestalten. Wenn Salucci in unserer
Zeit gelebt hätte, hätte er nicht die Ehre einer Ausstellung,
sondern wäre ganz sicher einer "Säuberung" verfallen.
Sein klassizistischer Stil wäre unendlich kritisiert und wäre
sicherlich als "Regimestil" definiert worden. Er ist nämlich
zu verschieden von dem jetzigen: wo sind in der Tat die reichhaltigen Betongüsse,
die riesigen Fenster, die Metallgerüste? Es sind Dinge, die höchstens
zu Manhattan passen. Salucci zeigt uns Säulen! - wollen wir scherzen?
Säulen sind doch bekanntlich "verdächtig". Und verdächtiger
war noch seine politische Tätigkeit, die ausführlich geschildert
werden soll.
-
- Am 9. November 1799 fand die Machtergreifung Napoleons in Frankreich
statt, der die bürgerliche Demokratie des Direktoriums gestürzt
hatte, die ihrerseits die rote Diktatur Robespierres beendet hatte.
- Nun steht es fest, daß Napoleon nicht der Fortsetzer der 1789er
Revolution war und nicht sein wollte. Er sagte zu Caulaincourt, seinem
Diplomaten und Militärfachmann, selbst: "Ich habe bewiesen, daß
ich allen Revolutionen die Tore verschließen will. Die Souveräne
sind mir verpflichtet, weil ich den revolutionären Strom, der ihre
Throne bedrohte, gebremst habe!" Also, wenn auch noch jemand darauf
besteht, unverbesserlich die Legende des revolutionären Napoleon zu
verbreiten, ist die Theorie absurd wie die, wonach Hitler die 1918ner Revolution
fortgesetzt hätte. Wenn wir dagegen Napoleon als Verteidiger gegen
Angelsachsen und Russen feiern, wäre es schwierig, nicht dasselbe
auch mit Hitler zu tun. Daraus geht hervor, daß beide sich sehr ähneln,
im Guten wie im Bösen, und wenn auch das Böse des letzteren größer
ist als das des ersteren, liegt der Grund nur in jener "Zivilisation",
die unser Jahrhundert gekennzeichnet hat.
- Dennoch können die Hitler gegenüber geäußerten
Kritiken auch bei Napoleon angebracht werden, auch wenn man in Frankreich
nicht sagen kann: Nach einem äußersten Versuch Großbritanniens,
mit Paris zu einer Vereinbarung zu gelangen (in Amiens im März 1802)
kam es zum Londoner Ultimatum: entweder Holland freigeben oder Krieg. Napoleon
ignorierte das Ultimatum, Großbritannien erklärte den Krieg,
und der starke Mann von Paris führte einen blutigen Weltkrieg vom
Mai 1803 bis April 1814. Es war ein Krieg, der auch wegen seiner riesigen
Fehler mit seiner völligen militärischen Niederlage endete.
- In der Geschichte wird sein Regime als der erste moderne Polizeistaat
verzeichnet: Die Pressefreiheit wurde gelöscht, die Gegner wurden
in die Hölle Cayens oder in die inneren Konzentrationslager geschickt,
die Sklaverei (die von der Revolution abgeschafft worden war) wurde wieder
eingeführt. Die europäischen Staaten wurden zu Kolonien, und
zahlreiche Partisanen wurden überall ermordet. Schließlich wurde
der Papst verhaftet, und gegen die Juden - die Napoleon als "eine
Masse faulen Bluts" bezeichnete - wurde das sogenannte "infame
Dekret" 1808 unterzeichnet. Wie Hitler entging dann Napoleon zahlreichen
nicht ins Ziel treffenden Attentaten.
-
- Was hat das alles mit Salucci zu tun? Sehr viel!
- Salucci war ein fanatischer Parteigänger des Empereurs: Am 29.
August 1789 hatte er sich zur französischen Armee, und zwar zum Pionierkorps,
gemeldet. Man kann sagen, daß damals in Paris noch das Direktorium
herrschte und er, Salucci, in vollem Einklang mit der italienischen Tradition
(man denke an Dante Alighieri oder an Casanova) Schwierigkeiten mit den
nationalen Behörden gehabt hatte, so daß er am 7. November jenes
Jahres sogar wegen Verschwörung von den Richtern des Großherzogtums
Toskana zum Tode in Abwesenheit verurteilt worden war.
- Doch blieb Salucci immer ein überzeugter "Chauvinist"
(was im Ursinn Parteigänger Napoleons bedeutet), und 1802 trat er
der Italienischen Republik (die 3 Jahre später in das Königtum
Italien umgewandelt wurde) bei, dem italienischen napoleonfreundlichen
Staat, der gegen die italienischen englandfreundlichen Monarchien (Savoyen,
Bourbon) auftrat. Also eine echte "R.S.I." "ante literam",
auch wenn dieser Staat nicht mit dem Anspruch entstanden war, den Verrat
abzuwaschen wie die R.S.I. 1943. Schwer wiegt weiterhin, daß Salucci
1815 während der "100 Tage" noch einmal auf der Seite Napoleons
gegen die Alliierten stand und in Waterloo von den Briten gefangen genommen
wurde.
- Nun schämte sich nicht diese demokratischste BRD, einen solchen
Mann zu feiern, einen fanatischen Parteigänger des antisemitischen
Ungeheuers, der Europa und die gesamte Welt von Haiti bis Kyushu auf Java
in Kriege verwickelte! Man muß ja betroffen sein! Wir hätten
Proteste aus der ganzen zivilisierten Welt erwartet! Doch dem Maler Mario
Sironi, einem schimpflichen Faschisten, der dem Regime Mussolini beigetreten
war, konnte der Bürgermeister von Darmstadt nein sagen. Keine Ausstellung.
Keine Ehre für die Freunde der Tyrannen!
- Man müßte sogar folgerichtiger sein und erbarmungslos alle
von nazi-faschistischen Künstlern gebaute Werke zerstören, dann
die der bonapartistischen Künstler usw. und, in die Vergangenheit
zurückgehend, die Reste der domus aurea Neros zerstören und dann
das, was von den Bauwerken Assurbanipals übrig geblieben ist, des
assyrischen Königs, der so despotisch und kriegstreiberisch war. Nur
so wird die Demokratie triumphieren!
- Wäre aber Paris ohne den Arc de Triomphe Napoleons und nur mit
dem neuen Mitterands, der ein lächerlicher Schemel scheint, schöner?
Vielleicht nicht. Dann vergessen wir alles, was wir bisher geschrieben
haben, und lassen wir Rommel die Ausstellung (trotz seines "verdächtigen"
Namens) über Salucci veranstalten, doch widmen wir auch eine Ausstellung
Sironi, der wie Millionen und Abermillionen von Italienern sich dem mussolinianischen
Faschismus anschloß! Wenn er irrte, war er sicherlich nicht eine
Ausnahme.
- Das Gleiche kann man von Salucci behaupten, von diesem streitsüchtigen
Toskaner. Daß er einen schwierigen Charakter hatte, beweisen vor
allem die Jahre nach den "100 Tagen", den Jahren seiner künstlerischen
Tätigkeit. Wie nach der Potsdamer Konferenz 1945 die Welt nicht den
Triumph des Liberalismus erlebte, sondern des Stalinismus im Osten und
des Mc Carthysmus im Westen, verbreiteten sich von Rußland bis zu
den USA nach dem Wiener Kongress konservative Gedanken (auch letztere akzeptierten
nämlich die Grundsätze der Heiligen Allianz). Doch scheint uns,
daß damals mehr Toleranz gegen die Besiegten geübt wurde, da
der König Württembergs Salucci an seinem Hof aufnahm. Im übrigen
hatte sich Württemberg ebenfalls mit dem "Antichristen"
kompromittiert und konnte nicht groß Unschuld nachweisen: 1805 hatte
Jérome Bonaparte, Bruder des Empereurs, Katharina von Württemberg
(1783-1835) geheiratet, und der deutsche Kleinstaat war seit der dritten
Koalition bis zur Leipziger Schlacht und bis zum Seitenwechsel des späten
1813, als er nach Badoglio-Art die Freunde gewechselt hatte, Verbündeter
Frankreichs.
- Wilhelm I., König von Württemberg, berief Salucci im November
1816 in seinen Dienst, und letzterer kam aus der Schweiz in den ersten
Tagen des Jahrs 1817 in Stuttgart an. Er blieb im Dienste des Königs
bis zum November 1839. Es waren die Jahre seiner Meisterwerke. Es waren
Jahre, die wegen seines nicht leichten Charakters mit äußerst
großen Schwierigkeiten verbunden waren: Er war stolz auf seine Fähigkeiten
und schaute auf die Hofwürdenträger herab, und diesen wurde er
unsympathisch. Vielleicht hatten ihn die Jahre des Militärlebens zum
bürgerlichen Leben ungeeignet werden lassen. Und dann ist es immer
dasselbe: Er befand sich im Ausland, und die Verständigungsschwierigkeiten
(Salucci sprach kein Deutsch) und die Mentalitätsunterschiede spielten
sicherlich eine nicht zu vernachlässigende Rolle. So verschlechterten
sich die Beziehungen zu seinen Kollegen und Mitarbeitern. Die Krönung
des "Werks" waren seine Schulden, die den Souverän zwangen,
ihm die Apanage zu erhöhen, um der Unehre eines Prozesses gegen seinen
Architekten zu entgehen.
- Als im Oktober 1839 Schimmel in dem von ihm gebauten Landhaus Rosenstein
entdeckt wurde, wurde man gewahr, daß der italienische Meister schwere
Baufehler begangen hatte, da er nicht berücksichtigt hatte, daß
es in Schwaben öfter regnet als in der Toskana! Wir können uns
die Kommentare der Deutschen über diesen italienischen Pfuscher und
diesen arroganten Menschen vorstellen!
- Das Ergebnis war, daß der arme Salucci 1840 nach Italien zurückkehrte,
und zwar in das Herzogtum Toskana, und hier - arm - 5 Jahre später
starb.
-
- Dieses in nur 152 Exemplaren gedruckte Buch spricht vom bewegten Leben
dieses Künstlers, und wir wollen mit der Einleitung nicht über
diese Zeilen hinausgehen, um nicht das zu wiederholen, was in diesem Buch
geschrieben ist. Es ist sicher, daß von Salucci eine noch nicht gut
identifizierte Marmorbüste (die wahrscheinlich in Florenz ist) und
die Werke, die Württemberg verschönt haben, bleiben. Auch jene,
die nur "auf dem Papier" als Pläne verwirklicht wurden,
spielen eine wichtige Rolle, weil sich zu jener Zeit in Deutschland der
gotische und der klassische Geschmack bekämpften. Wir gedenken so
Saluccis durch die Bewunderung seiner gebauten und seiner nur auf dem Papier
gebliebenen Werke und schätzen die Sucht nach Perfektion, die ihn
immer bewegte, nach dem Perfektionismus (mindestens ästhetisch, wenn
nicht gerade technisch!), der dazu beitrug, ihn vielen seiner Zeitgenossen
als unsympathisch erscheinen zu lassen.
-
- BRUNO ZORATTO
- MARCO PICONE CHIODO
Giovanni Salucci in
den Beschreibungen eines Freundes
- ERINNERUNGEN
- LEBEN UND WERK
- des
- GIOVANNI SALUCCI FIORENTINO
- EHEMALIGER OFFIZIER DES PIONIERGENERALSTABS
- DES FRANZÖSISCHEN HEERES
- DANACH ERSTER ARCHITEKT DES KÖNIGS VON WÜRTTEMBERG
- GESCHRIEBEN
-
- von GIUSEPPE PONSI
-
- F L O R E N Z
- DRUCKEREI LUIGI NICCOLAI
- 1850
- Giovanni Salucci wurde am ersten Juli 1769 als Kind von Ferdinando
Salucci und Anna Celati geboren, ehrlichen und wohlhabenden Personen. Im
Alter von zehn Jahren wurde er in ein Kollegium nach Pistoia geschickt,
um Literatur zu studieren. Kurz darauf wurde Scipione de'Ricci zum Bischof
von Pistoia und Prato gewählt. Dieser zögerte nicht lange, jene
Reformen zu verwirklichen, die ihn berühmt machten und für die
er von weisen Männern hochgelobt, von anderen, die Aberglauben und
Ignoranz ausnutzten, verfolgt wurde.
- Der Vater unseres Kollegiumschülers hatte einen Bruder, der ein
fanatischer Römer und Kapuzinermönch war. Dieser redete dem Vater
ein, dass es nicht gut sei, den Sohn bei den Giansenisten erziehen zu lassen.
So holte der Vater, ein Mann von niedriger Kultur, den Sohn nach drei Jahren
zu sich zurück, in dem Gedanken, ihn zu reichen Verwandten, Kaufmännern
aus Livorno zu schicken, um ihn dort dieses Gewerbe lernen zu lassen. Die
starke Abneigung des jungen Salucci für dieses Schicksal und seine
große Begabung für Zeichnen und Kunst überzeugten den Vater,
ihn in die Kunstakademie zum Studium der Architektur beim berühmten
Niccolò Maria Gaspero Paoletti einzuschreiben. Nebenbei widmete
er sich dem Studium der Geometrie und der Perspektive und dem figürlichen
Zeichnen. Letzteres half ihm später, seine Zeichnungen mit geistvollen
Statuen und graziösen Reliefs zu verzieren. Als er nach zehn Jahren
Studium trotz seiner Begabung keine Arbeit in seiner Heimat fand, und als
er, nachdem sein Vater gestorben war, keine Mittel zur Verfügung hatte,
verließ er die Toskana und begab sich nach Bologna, wohin ihn sein
Freund, ein Bühnenmaler, gerufen hatte, dem er fortan bei seiner Arbeit
half. Später wurde er von Remondini nach Bassano geholt, wo er diesem
bei verschiedenen architektonischen Arbeiten für sein Wohnhaus half.
Nach dem Umzug nach Padua, wo er in der Buchhandlung von Brandolese verkehrte,
hatte er die Möglichkeit verschiedene Personen kennenzulernen, die
bei ihm perspektivische Zeichnungen in Auftrag gaben. Eine dieser Personen
war der Ritter Giovanni de'Lazara, von diesem Moment an sein ständiger
Bewunderer und Freund.
- Der berühmte Ottone Calderari hatte eine Zeichnung für den
Hochaltar der Karmeliterkirche Paduas angefertigt, da diese aber nicht
geschätzt wurde, bat man auch Salucci um einen Entwurf desselben Altars.
- Anfänglich zögerte er , sich mit einem Mann dieses Ruhms
auf die gleiche Stufe zu stellen, konnte sich jedoch nicht mehr zurückziehen
und so fertigte auch er eine Zeichnung an. Da jene in der Kirche öffentlich
ausgestellt werden sollte, hatte Salucci entschieden, im Falle ihrer Ablehnung
wegzugehen, aber da die Zeichnung allgemeine Zustimmung gefunden hatte,
wurde sofort mit dem Bau des Altars unter seiner Leitung begonnen (1).
Nachdem die Arbeit wegen der Zeitumstände unterbrochen werden musste,
wurde der Altar 1824 nach seiner Zeichnung fertiggestellt, wenn auch wahrscheinlich
mit einigen Abweichungen, wie es in solchen Fällen fast immer geschieht
(2).
- Er konstruierte noch einen weiteren Altar für die Kirche S. Lorenzo
in Padua, der allerdings bei ihrer Zerstörung verloren ging.
- Kurz vor der Belagerung Genuas trat Salucci dem Generalstab des französischen
Pionierheeres bei, das unter dem Kommando von Massena in Italien bereitstand
(3).
- Im Jahre 1808, als Offizier des besagten Stabes in Mantua, wurde er
beauftragt, eine Zeichnung für den unterirdischen Altar der St. Andreas
Kirche der Stadt anzufertigen. Die Konstruktion der Kapelle wies Schwierigkeiten
auf, die bis zu diesem Zeitpunkt als unüberwindbar galten: der Architekt
Paolo del Pozzo, ein guter Mathematiker und Baumeister verschiedener edler
Gebäude, wie zum Beispiel des Zollamtes von Mantua mit seiner prächtigen
Fassade, hatte ebenfalls eine Zeichnung angefertigt, nachdem er aber die
von Salucci zu Gesicht bekommen hatte, befand er sie als seinem und allen
anderen Projekten vorziehbar und erklärte sie als alle vorgeschriebenen
Bedingungen erfüllend und den Begebenheiten des Ortes angemessen.
Ein solches Urteil kann del Pozzo nur zur Ehre gereichen, denn zu ähnlichen
Handlungen sind nur Menschen eines edlen Geistes fähig.
- Man begann mit dem Bau des Werkes unter der Leitung seines Schöpfers
bis dieser zum Heer zurückgerufen wurde, daraufhin wurde es nach der
Zeichnung fertiggestellt.
- Was seine Arbeit als Offizier und sein Leben als Militär betrifft,
erinnere ich mich nicht aller mir von ihm öfters erzählten Einzelheiten:
ich werde von dem berichten, woran ich mich erinnere.
- Er befand sich in zwei belagerten Städten , Genua und Danzig;
er war an der Eroberung des Königreichs Neapel beteiligt und vornehmlich
an der Belagerung Gaetas; er wurde nach Dalmatien geschickt, um dort Straßen
abzustecken, schließlich war er auch Mitglied der großen Armee
im Russlandfeldzug. In einer Erinnerung an den König von Württemberg
sagt er:
- "In der Pioniertruppe war ich nacheinander an den Arbeiten an
drei starken Plätzen in Italien beteiligt (Mantua, Gaeta, Alessandria).
Ich habe unter dem Kommando von drei Generalinspektoren und vier leitenden
Obersten der Befestigungswerke gedient."
- Er folgte dem Schicksal Napoleons bis zum letzten Moment, in Waterloo
wurde er Kriegsgefangener der Engländer.
- Es war ihm gelungen im Generalstab der Pioniertruppe einen Grad zu
erreichen, dessen Titel ich mich nicht mehr erinnere, ich erinnere mich
jedoch, dass dieser Grad dem eines Oberleutnants der Infanterie entsprach.
- Wieder in Freiheit, begab er sich in die Schweiz, wo er rein zum Vergnügen
einige Ansichten dieses pittoresken Landes zeichnete. Als in dieser Zeit
der Signor Eynard Lullin sein Haus in Genf bequemer und eleganter gestalten
wollte, bediente er sich dazu unseres Salucci. Das Gebäude ist nicht
groß (4), aber es wurde mit majestätischer Pracht gestaltet.
Im ersten Stock befindet sich ein großer Saal, dessen Gewölbe
von einzelnen korinthischen Säulen gestützt wird; weiterhin zwei
kleinere Zimmer, von denen eines oval ist, ein kleines Theater in der Form
eines Halbkreises; die Treppe, verschiedene Aufenthaltsräume und zwei
Loggien, die dem Gebäude als Flügel dienen. Dieses Stockwerk
ist durch Bögen strukturiert mit einfachen piediritti von der Breite
fast des ganzen Raumes: die Fassade besteht aus sieben dieser Bögen,
die Seiten aus vier. Leider sind in den Außenfassaden, die aus einer
Konstruktion aus Bausteinen bestehen, die vertikalen Verbindungen ausgelassen
worden, so dass der Verlauf der Steine das Aussehen übereinandergelagerter
Bohlen zeigt.
- Die Loggien, die den Flügel bilden, werden jede aus drei Bögen,
die von dorischen Doppelsäulen ohne Sockel gestützt werden, geformt.
Von den Fassadenbögen sind die drei mittleren geöffnet und bilden
so den Eingang des großen Saales, in der übrigen Mauer sind
die Fenster; von denen das letzte an der Seite auf die Loggia geöffnet
ist.
- Dieses Stockwerk ist 12 Pariser Füße vom Erdboden erhoben
und man gelangt zu ihm über eine Doppeltreppe mit zweiseitigem Aufgang,
in deren Mitte sich ein Brunnen befindet. Der untere Teil des Gebäudes
ist benutzbar; unter den Loggien der Flügel befinden sich die Stallung
und die Remise. Das zweite Stockwerk wird außen von ionischen, an
der Mauer lehnenden Säulen, die von einer Balustrade überdacht
werden, geschmückt: es ist in Säle, Zimmer und Kabinetts unterteilt.
Darüber befindet sich ein ähnliches Appartement im Zwischenstock,
das in der Höhe des Stockwerks inbegriffen ist.
- Das ganze Gebäude ist von Terrassen bedeckt, wie auch die Flügel,
welche jedoch nicht über den 1. Stock hinausragen.
- Als im Jahre 1817 der König von Württemberg Herrn Eynard
um den Namen eines florentiner oder mailänder Architekten bat, dachte
dieser Herr, der Salucci schon sehr schätzte, dass jener passend sei,
daher informierte er ihn über die Nachfrage, und fragte ihn, ob er
einverstanden wäre, für den König zu arbeiten, zumal er
selbst die Bedingungen festsetzen könne. Dieses großzügige
Angebot nahm Salucci an, mit der Vereinbarung jedoch, ein Probejahr abstatten
zu können. Was die Kosten betraf, so verlangte er 20 Louis für
die Reise und 200 als Gehalt, und, im Falle dass die Anstellung mit dem
Probejahr endete, weitere 20 Louis für die Rückkehr.
- Alle diese Bedingungen wurden akzeptiert und am 7. August obenerwähnten
Jahres begab er sich zum König und dessen Frau, von denen er mit großer
Güte empfangen wurde. Die Königin Katharina eröffnete ihm
ihre Liebe zur Kunst und vor allem zur Architektur, ihrer großen
Leidenschaft.
- Sehr zufrieden über diese schönen Anlagen der Königin,
widmete sich Salucci mit großem Eifer seiner Arbeit, um sich die
Achtung der beiden Herrscher zu verdienen.
- Die Arbeiten des ersten Jahres waren nicht von solcher Bedeutung, dass
er sein Genie und Wissen unter Beweis hätte stellen können, da
das Lustschlösschen von Weil-im-Kloster, welches er entwarf, auch
nach seinen Angaben nichts als einen schwachen Eindruck seiner Fähigkeiten
geben konnte. Dieses Lustschlösschen steht inmitten weiter Wiesen
und diente dem König als Aufenthalt, wenn er seine Zuchtpferde besichtigen
wollte, die sich an diesem Ort befanden: Seine Form ist quadratisch (5),
es hat zwei Stockwerke, die großzügig und bequem aufgeteilt
sind, die Treppe verläuft in der Mitte und erhält Licht von oben:
sie wird von zwei Eisenloggien umgeben, die sich über ihr befinden
und von luftiger Konstruktion sind. Im Sommer wurden sie von Markisen bedeckt.
- Der König, sehr zufrieden mit dem Gebäude, wollte dem Architekten
seine Befriedigung zeigen. Zwei Monate vor Beendigung der festgesetzten
Probezeit bot er ihm daher an, weiterhin für ihn zu arbeiten.
- So ließ er den Verwalter der königlichen Gebäude und
Gärten durch den Hofmeister befehlen, Salucci definitiv zu seinem
Hofbaumeister zu ernennen.
- Salucci antwortete, er sei von Dankbarkeit erfüllt für die
großzügige Handlung seiner Majestät, die noch vor der vereinbarten
Zeit und bevor er etwas Ihrer Achtung Würdiges hätte leisten
können, sich zufrieden gezeigt habe. Er akzeptiere die Ehre, weiterhin
für S. M. zu arbeiten, er glaube sich aber noch nicht von seinem Versprechen,
einen Beweis seiner Fähigkeiten zu geben, entbunden, so dass er für
den Augenblick keine Gehaltserhöhung verlange, überzeugt, dass
S. M. demnächst seine Dienste bewerten und ihm größere
Aufträge geben würde. In der Zwischenzeit wünsche er nichts
weiter als eine Unterkunft zu seiner Bequemlichkeit.
- Zu solchen Bedingungen und mit diesen Hoffnungen blieb er am württembergischen
Hof in der Stellung des ersten königlichen Baumeisters.
- Als im Januar 1819 die Königin Katharina starb, wollte der König
ihren letzten Wunsch erfüllen, der darin bestand, auf dem Gipfel eines
nahe bei Stuttgart gelegenen Hügels, genannt Rotenberg, begraben zu
werden.
- So gab er seinem 1. Baumeister den Auftrag, eine Grabkapelle zum Bau
an ebendiesem Ort zu entwerfen. Salucci wählte eine runde Form, nicht
so sehr wegen ihrer Schönheit, sondern als die dem Platz angemessenste
Bauweise. Vier Bogengänge sind in die vier Himmelsrichtungen ausgerichtet,
aber einer von ihnen ist geschlossen und hat nicht einmal Wandpfeiler,
enthält aber in sich die halbkreisförmige Kapelle.
- Die Front besteht aus einem ionischen Viersäuler, der vom Vordergiebel
abgeschlossen wird, seine Breite entspricht der einer Interkolumnie. Im
Innern sieht man eine kreisförmige Reihe aus korinthischen Säulen
und Pilastern, jeweils acht davon werden durch das Gebälk verbunden
und stützen den Tholos, der mit 5 Ornamentreihen verziert ist, deren
jede aus 24 rechteckigen Kassetten mit einer Rosette in der Mitte besteht.
- Die Säulen stehen einzeln und bilden einen Übergang in Korrespondenz
mit jedem der Eingänge und mit der Kapelle, so dass es 12 offene Interkolumnien
und vier gemauerte Zwischenpilaster gibt, die mit Nischen und Basreliefs
verziert sind. Der Tholos wird von der Hälfte eines Tonnengewölbes
gestützt, das horizontal auf der umgebenden Mauer liegt, die, indem
sie sich über ihn erhebt, die Seite des Gewölbes umgibt, das
von drei Stufen bedeckt und befestigt wird. Das Licht kommt von oben durch
ein augenförmiges Loch auf der Spitze des Tholos, seine Größe
beträgt 1/4 seines Durchmessers. Die Höhe des gesamten Werkes
beträgt 1 1/3 der Breite, gemessen von einem Säulenmittelpunkt
zum anderen.
- In der Mitte des Fußbodens befindet sich eine runde Öffnung,
von der aus man eine unterirdische Rundung sehen kann, in umgekehrter Wölbung.
Hier steht der Sarkophag der Königin. Zu ihm gelangt man über
eine bequeme Treppe, die in einem der durch die Zwischenpilaster geformten
Räume liegt.
- Das Gebäude steht auf einem Sockel, der in den Frontseiten der
Säulengänge die Treppe einschließt, so dass man Zugang
zu ihnen hat. Zu einer weiten Freitreppe, in zwei Abschnitten, die an der
Vorderwand des Haupteingangs, d. h. dem Eingang in Korrespondenz zur Kapelle
steht, gelangt man über den runden Platz auf dem der Tempel steht:
besagte Freitreppe wird an drei Stellen von Mauern getrennt, die als Geländer
dienen, aber nicht über die einzelnen Stockwerke hinausragen; der
Mittelteil ist so breit wie die Treppen der Säulengänge, die
Seitenteile etwa 2/3 der Breite, nicht eingerechnet die Geländer.
Am Ende der Teilungsmauern und des Geländers sind schmiedeeiserne
Flammen befestigt, die die Urahnen beim Verbrennen von aromatischen Pflanzen
und bei Trinkgelagen vor den Gräbern darstellen; die des ersten Stockwerkes
haben drei kleine Füße, die des zweiten stehen auf Dreifüßern
aus Schmiedeeisen.
- Der Durchmesser des ganzen Gebäudes beträgt 64 Fuß,
die umgebende Mauer ist 2,5 Fuß dick, so dass ein innerer Durchmesser
von 59 Fuß bleibt, der in 8 gleiche Teile unterteilt ist, von denen
drei der Halbmesser des Kreises sind, auf dem, in gleichen Abständen,
die Zentren der Säulen und Pilaster stehen. Der Durchmesser der äußeren
Säulen beträgt 2 Fuß und 5 Sechstel und der der inneren
2 Fuß und 2 Drittel. Die Höhe beider Säulen ist 25 Fuß
(6).
- Die Vorzüge des Bauwerks, das nach seinem Standort Rotenberg-Kapelle
genannt wird, sind folgende: Die schon lobend erwähnte runde Form;
die guten Proportionen, abgesehen von der der Türen; die Schlichtheit
des Ganzen und der einzelnen Teile; der reine und elegante Umriss.
- Die Nachteile: das Fehlen einer Einheit, was seinen Grund in den unterschiedlichen
Ordnungen hat; das ganze Gesims im Inneren; die Voluten an den Kapitellen
der ionischen Pilaster, die nicht davon getrennt werden können, weil
man entweder die Tellerkapitelle schneiden, oder ihre Form aus dem Pilaster
ausheben müsste, beides Vorgehen, die gegen die Natur der Dinge sind;
die zu klein geratenen Türen, deren Höhe nur halb so hoch wie
die der Säulen ist und eigentlich wenigstens 2/3 der Säulenhöhe
hätten betragen sollen, da sonst die Interkolumnie nicht genug ausgefüllt
würde, auch wenn man wenig plausibel geglaubt hatte, das gleiche Ziel
durch das Ausheben eines rechteckigen Loches für ein Basrelief zu
erreichen.
- Auch Salucci hielt in diesem Fall die unterschiedlichen Stile für
einen Fehler, aber das Innere wurde von höchster Eleganz und Pracht
gewünscht, so dass sich ihm der korinthische Stil empfahl, andererseits
wurden die Ausgaben für das gesamte Bauwerk auf nicht mehr als 300.000
Gulden (7) festgelegt, ja, es wurde sogar Sparsamkeit verlangt, und so
war Salucci bei der Gestaltung des Äußeren zum ionischen Stil
gezwungen.
- Schon vom 1. Jahr an, das Salucci am Württembergischen Hof verbrachte,
hatte er von Königin Katharina den Auftrag bekommen, sich um Zeichnungen
für einen Palast auf dem Lande zu kümmern und so gab sie ihm
ein schriftliches Programm. Die Zeichnung, die dann zur Ausführung
kam, war die elfte, die der fruchtbare Geist unseres Architekten entworfen
hatte (8).
- Er selbst hat uns die Beschreibung dieses Gebäudes und die Gründe
für seine Aufteilung in einem Schriftstück hinterlassen, das
ich hier wiedergebe und in den Anmerkungen mit Erklärungen und Gedanken
kommentiere.
-
- Plan für das Lustschloss auf dem Rosenstein
-
- Ein bequemes Landhaus, angenehm und elegant in seiner äußeren
Form, da man es von allen Seiten sehen kann. Es soll gleichzeitig die Umgebung
der Hauptstadt verschönern. Das Haus hat nur ein Stockwerk; die Zimmer
sollen weder zu hoch, noch zu groß sein und das Ganze soll eher ein
lächelndes und freundliches als großes und prächtiges Aussehen
haben. Die Ausgaben sollen nicht 500.000 oder 600.000 Gulden überschreiten.
- "Das nach diesem Plan konstruierte Gebäude dient ausschließlich
als Unterkunft für den König und die königliche Familie
im Sommer und als Empfangsort für die Personen, die sich zu einer
Audienz begeben oder an den Hoffesten teilnehmen. Deshalb wird es als zweckmäßig
empfunden, in seine Komposition Bogengänge, Vorhallen und Säle
einzubeziehen, die einerseits den Umständen dienen, andererseits aber
auch Bewegung in das Ganze bringen, indem sie Vorderkörper bilden
und verzierte sowie glatte Teile miteinander wechseln, die dem Bauwerk
die ihm angebrachte Abwechslung verschaffen".
- "Auf einem Hügel erhoben (9), der die doppelte Talebene eines
Flusses (10) beherrscht und umgeben von Gärten, hielt man es für
angemessen, seine Anordnung so vorzunehmen, dass man den Hauptteilen der
am häufigsten genutzten Wohnungen, das interessanteste Aussehen, freie
Zugänge zu den Gärten und besondere Eingänge, die von dem
Haupteingang unabhängig machten, gab (11)".
- "Um dann die Wohnungen aneinander anzunähern und schnelle
und bequeme Durchgänge zu schaffen, wurde von einem rechteckigen Grundriss
ausgegangen, auf dem zwei viereckige Höfe und ein großer Saal
in der Mitte aufgelegt wurden. Letzterer verbindet sich mit dem Vestibül
des Haupteingangs und mit dem Speisesaal, der auf den Fluss ausgerichtet
ist. Dies alles bildet ein Ganzes, das die Wirkung der Anlage obengenannter
Wohnungen vergrößert und die Großartigkeit vermittelt,
die einer königlichen Wohnstätte zukommt (12)".
- "Seine Länge beträgt 260 Fuß, in 29 Abschnitte
geteilt, die Breite 160 Fuß, in 17 Abschnitte geteilt, gemessen an
der Achse der Pilaster der vier äußeren Ecken (13)".
- "Auf der Längsseite bilden sieben Abschnitte (14) den Mittelteil,
fünf davon dienen für die Säulengänge der großen
Bogengänge (15); fünf bilden zusammen den Vorbau der Ecken, von
denen drei (16) wiederum den Säulengängen ihrer Bogengänge
dienen; es gibt sechs (17) Unterbrechungen, wo sechs Fenster eingelassen
wurden, dies zwischen den mittleren Vorbauten und denen der Ecken. Von
den 17 Abschnitten, in die die Breitseite unterteilt ist, bilden fünf
(18) an jedem Extrem die Breitseite der Eckvorbauten, die mit drei Interkolumnien
auf der Mauerlinie geöffnet ist, und sieben (19) die Mittelteile mit
ebenso vielen Fenstern".
- "Die äußere Dekoration dieses Gebäudes ist im
Mittelteil in ionischem Stil gehalten, in den übrigen Teilen im toskanischen
Stil, mit einem Attikum, das das Dach bedeckt (20). Das ganze Gebäude
steht auf einem Sockel (21), der an der Seite, die nach dem Fluss hin ausgerichtet
ist, sowie an den Breitseiten und an der Front der beiden Eckvorbauten
der Hauptseite eine Terrasse abgibt. In den Zwischenräumen der Vorbauten
sind die Fenster mit Tragbalken, Fries und Rahmen verziert, die von einer
Konsole (22) gehalten werden, ihr Fensterbrett verläuft gerade".
- "Die Dekoration der Höfe gleicht denen der eben beschriebenen
Zwischenräume, mit Ausnahme der Fensterrahmen, die man vorzog, wegzulassen
(23). In der Mitte besagter Höfe steht ein tellerförmiges Becken
aus der ein Wasserstrahl sprudelt (24)".
- "Der Stil des großen Saales und des Speisesaals, deren Größe
und Anlage die Verwendung von Säulen erforderten, ist ionisch (25).
Der große Saal umfasst die ganze Höhe des Mittelteils des Gebäudes
(26). Nämlicher wird von einem Tonnengewölbe bedeckt, das sich
in der Mitte seiner Länge in eine Kalotte auf Federbüschen öffnet,
die an der Spitze eine runde Öffnung hat. Der Speisesaal ist mit einer
Kassettendecke versehen".
- Wenige Architekten haben ein solches Glück wie Salucci gehabt,
dass sie mit der Konstruktion solch großartiger Gebäude beauftragt
wurden und dass, was noch wichtiger ist, diese vollständig unter ihrer
Leitung ausgeführt wurden. Als ob die beiden Bauwerke auf dem Rotenberg
und Rosenstein unwichtig gewesen wären, konnte er es nicht lassen,
einen anderen Palast zu entwerfen, der in Stuttgart in der Nähe der
Residenz stehen sollte. Dieser Palast war für zwei Prinzessinnen mit
ihren Familien gedacht. Jede von ihnen sollte ihren eigenen Wohnbereich
völlig getrennt von der anderen haben, die Treppen nicht ausgeschlossen,
nur das Hauptvestibül und der Festsaal durften gemeinsam sein. Auch
für diesen Palast machte Salucci verschiedene Entwürfe.
- Ich gebe nur eine Vorstellung von dem schließlich ausgeführten
Projekt.
- Die Form des Grundrisses ist diese: ein Rechteck, 180 Fuß lang
und 60 Fuß breit, geteilt in der Länge in 15 gleiche Abschnitte,
in der Breite in fünf. Die neun mittleren Abschnitte verlängern
sich in fünf weitere Teile, d. h. um 60 Fuß; damit wird ein
anderes Rechteck von der Größe 108 x 60 geschaffen, das sich
an das erste angliedert.
- Der Palast liegt abseits. Er verbindet 2 Stilrichtungen, dorisch und
ionisch. Der dorische Teil steht auf einem Sockel, der alle notwendigen
Diensträume enthält. Diese haben einen, im Vergleich zum äußeren
Boden, niedriger gelegenen Fußboden. Der dorische Stil wird nur in
einem Stockwerk verwendet: der ionische Stil in zweien, von denen das höhergelegene
ein Zwischenstock ist, das den Personen des Gefolges dient. Die Aufteilung
aller Stockwerke folgt den oben angedeuteten Bedingungen, und in den königlichen
Stockwerken findet man die gleichen Vorteile, die ich in der Aufteilung
des Schlosses auf dem Rosenstein bemerkt habe.
- Die Länge des größeren Rechtecks des Grundrisses bestimmt
die Hauptfront dieses Gebäudes. Sowohl in der Hauptfront als auch
in der ihr gegenüberliegenden bilden die fünf mittleren Unterteilungen
einen Vorbau. Diese Vorbauten sind folgendermaßen aufgeteilt: auf
jeder der beiden Linien, die den Mittelraum fixieren, steht eine Säule
und ein Pilaster auf den anderen vieren: Die Säulen sind isoliert,
deshalb formen sich in den Mittelteilen drei offene Interkolumnien: die
Räume zwischen den Pilastern sind zugemauert.
- Auf den Außenseiten haben alle Stockwerke des Gebäudes eine
Öffnung in der Mitte jedes Abschnittes.
- Die Öffnungen, die mit den Interkolumnien korrespondieren, sind,
mit Ausnahme der des Zwischenstocks, Türen; alle übrigen sind
Fenster, abgesehen vom Sockel, wo die unter den Pilasterzwischenräumen
gelegenen Öffnungen als Eingang zu den Diensträumen dienen.
- Der dorische Vorbau der Hauptfassade bildet einen vorspringenden Bogengang,
der aber nicht mehr als 2 Säulendurchmesser vorspringt, so dass er
nahe an der Mauer bleibt. Die Bedachung des Bogengangs bildet eine Terrasse
auf der Ebene des Fußbodens des zweiten Stockes. Die Rückseite
des Vorbaus richtet sich nur ein Viertel des Pilasterdurchmessers an der
Wand auf; seine Interkolumnien korrespondieren mit zwei Loggien, eine über
der anderen, die im Körper des Gebäudes liegen. Gegenüber
den Interkolumnien des Vorbaus steht eine Treppe, die zum Stockwerk des
Hauptteils führt, an den Seiten des Bogenganges sind die 'montate',
auf dem Grundriss leicht gekrümmt.
- Der Sockel ist neun Fuß hoch: selbiger wird von sieben Reihen
glatter Quadersteine verziert; am oberen Teil befindet sich ein Band mit
darunterliegendem umgekehrten Karnies; am unteren Teil ein Sockel in der
Höhe zweier Quadersteine; das Sims ist halb so groß wie der
Sockel. Der Sockel unter einem jeden der Pilaster des Vorbaus hat die Form
eines Piedestal, der sich über einem kleineren Sockel erhebt. Die
Piedestale der Pilaster neben den Interkolumnien reichen nach vorne hinaus,
um den Rand der obenerwähnten Bogengänge zu bilden.
- Die dorischen Säulen sind acht Durchmesser hoch, die ionischen
neuneinhalb. Das Gesims des dorischen Hauptteils ist um weniges als 1/4
größer als die Höhe der Säulen; das des ionischen
Gebäudeteiles 1/4 dieser Höhe. Der Durchmesser der dorischen
Säulen beträgt am untersten Ende 2 1/3 Fuß, am obersten
zwei Fuß; letzterer ist auch der untere Durchmesser der über
diesen stehenden Säulen. Die Pilaster verjüngen sich nicht, diese
vernünftige Praxis wurde von unserem Architekten immer eingehalten.
Die Gesimse der beiden Hauptstile reichen um das ganze Gebäude: das
dorische Gesims ist nur in den Vorbauten vollständig; im übrigen
wurden die Triglyphen weggenommen und am Rahmen der Vorsprung ausgelassen,
aber der Verstand verlangte, dass auch am hinteren Vorbau der Vorsprung
dieses Rahmens beschädigt wurde, der hier nicht als Traufe dient.
Der ionische Teil steht auf einem Piedestal, der so hoch ist wie die Brustwehr
der Fenster. Die Terrasse über dem Bogengang wird von einer Balustrade
umgeben, in der die Basis und der Rahmen des Piedestals wiederaufgenommen
werden. Zwischen den Interkolumnien des hinteren Vorbaus wird das Piedestal
zur Balustrade. Über den Vorbauten befindet sich eine Dachwohnung,
damit der Mittelteil gewichtiger als die Seitenteile wirkt: diese Dachwohnung
ist so hoch wie das darunterliegende Gebäude; sie besteht aus einer
glatten Wand mit einem kleinen Rahmen im oberen Teil. Die Fenster sind
4,5 Fuß breit, was ca. 1/5 der Breite der meisten Räume entspricht;
die Fenster der beiden Prinzenstockwerke sind zwei Quadrate groß,
sie sind mit Tragbalken, Fries und Gesims verziert; in den Fenstern des
dorischen Teils befinden sich auch die Konsolen, die, wenn man sie als
einfache Verzierung betrachtet, mehr den Fenstern im ionischen Stil entsprechen;
die Fensterbretter der Fenster beider Stile sind im ganzen Gebäude
ohne Vorsprung. Die Fenster des Erdgeschosses sind 4/5 der erwähnten
Breite hoch, und die des Zwischenstocks 3/4 derselben; sowohl die einen
als auch die anderen sind auf allen vier Seiten von den Ornamenten der
Fensterpfosten umgeben, was man bei denen des Sockels hätte sein lassen
können; der Tragbalken der Fenster der Zwischenstocke berührt
fast das Sims, welches das Gebäude krönt. In der äußeren
Erscheinung geben die Vorbauten die Aufteilung und zwei der Dimensionen,
nämlich Länge und Höhe, des großen Festsaals wieder,
dessen Grundriss einem Quadrat entspricht. Jener Saal wird von zwei Bogengängen,
einer über dem anderen, umgeben; der erste Stil ist ionisch, der zweite
korinthisch. Oben ist eine Kassettendecke, die in der Mitte geöffnet
ist, um Licht durchzulassen. Besagter Saal ähnelt sehr denjenigen,
die von Vitruvio als altägyptisch bezeichnet und sowohl von Palladio
als auch von einem modernen Geist sehr gelobt werden, der von Ungebildeten,
der Autorität unwissender Meister folgend, deshalb abgelehnt wurde,
weil er den Architekten zum Vorwurf machte, dass sie diesen Stil nicht
in großen Palästen anwendeten, wo er, wie dieser Architekt zutreffend
behauptet, von wunderbarer Wirkung sei.
- Die Säulen des ersten Stils haben einen Durchmesser von 2 1/3
Fuß und eine Höhe von neun Durchmessern: über ihnen befindet
sich nichts weiter als der Tragbalken, der eine Höhe von 2/3 ihres
Durchmessers hat; in der Breite des Bogenganges reicht der Tragbalken von
der Säule zu dem ihr gegenüberliegenden Pilaster; über den
Tragbalken liegen die Bretter, die die Decke des Bogenganges vollenden.
- Die Säulen des zweiten Stils haben einen Durchmesser von der gleichen
Größe der Spitze der unter ihnen stehenden Säulen, die
zwei Fuß misst; sie sind 9,5 Durchmesser hoch und werden vom Gesims
überstiegen, dessen Rahmen verständlicherweise vom Sims verdrängt
wird. Dieser zweite Stil erhebt sich auf einem durchgehenden Piedestal
ohne Sockel, das als Brustwehr der Loggia dient; da das Zentrum der Säule
fast auf dem Mittelpunkt des Piedestals steht, folgt daraus, dass ein Teil
seines Sockelvorsprungs irrtümlicherweise auf dem Vorsprung des Rahmens
des Piedestals liegt. Dies ist nicht besonders schön und hat seinen
Grund in der Tatsache, dass auf den Säulen des ersten Stils ein Tragbalken
gelegt wurde anstelle eines tragenden Rahmens, oder besser noch, eines
im Vorsprung seines Rahmens veränderten Gesims, wie es dieser Fall
verlangte. Das Gesims verläuft um den ganzen Saal unter der Decke.
Die Köpfe der Deckenbalken der Loggia entsprechen dem Fries des Gesims.
Sowohl die Deckenbalken des Saals als auch die Deckenbalken der Loggia
liegen rechts von den Säulen und ihre Breite entspricht dem verjüngten
Durchmesser der Säulen des Hauptstils.
- Es besteht kein Zweifel, dass beim Festsetzen des Raumes zwischen Säulen
mittlerer Größe es nicht immer angebracht ist, sich skrupulös
an die Symmetrie der Interkolumnien zu halten, die man in antiken Gebäuden
findet und die die Theoretiker der klassischen Architektur vorschreiben,
andererseits würde man aber auch in diesem Fall keine Fehler vermeiden
können, wendete man sich zu sehr von den vorgeschriebenen Symmetrien
ab, die Gründe dafür sind zu lang, um sie hier beschreiben zu
können. Beim Festsetzen der Interkolumnien seiner Gebäude hatte
Salucci immer diese Maxime präsent; aber die in diesem Gebäude
berechneten Interkolumnien reichen an die extreme Grenze der nach der obigen
Hypothese mit Erfolg anwendbaren Symmetrien.
- Dieses Schloss, das Wilhelmschloss genannt wird, wohl nach dem Namen
des Königs, ist auf einem Grundstück gebaut, das etwas höher
liegt, als die großen Wege, die als Zufahrt dienen. Vermittels einer
solchen Erhöhung befindet sich an der Hauptfassade des Gebäudes
ein mit Balustraden eingezäunter Treppenabsatz, zu dem man über
eine großartige Treppe gelangt, die der des Bogengangs entspricht
und die, wegen zweier 'montate', die auf dem Plan in die entgegengesetzte
Richtung derjenigen unter dem Bogengang gekrümmt sind, an den Anfang
derselben reicht. All dies gibt dem Gebäude den Anschein von Großartigkeit
und betont seine Schönheit.
- Zur Zeit der Konstruktion des besagten Schlosses wurde in Stuttgart
unter der Leitung und nach dem Entwurf Saluccis eine Reitbahn gebaut, die
eine der größten Deutschlands ist. Ihr Grundriss entspricht
einem Rechteck von 221 Fuß Länge und 87 Fuß Breite; inbegriffen
in diese Maße sind die Mauern. An den beiden Kopfenden befindet sich
eine Säulenreihe dorischen Stils einfachster Art, auf ihnen liegt
ein Tragbalkengesims; auf den übrigen beiden Seiten der Arena erhebt
sich eine Säulenmauer, die wie jene die darüberliegende Loggia
stützt: daraus erkennt man deutlich, dass diese über alle vier
Seiten verläuft.
- Besagte Loggia wird von Stützen aus Schmiedeeisen geformt, die
ein Holzgesims halten, auf dem die Bretterdecke liegt, sowohl die der Loggia
als auch die der Arena, zur Loggia gelangt man über bequeme Treppen,
die an den Ecken des Gebäudes liegen. Auf jeder Seite des Rechteckes
befindet sich ein Eingang zur Arena und es gelangt reichlich Licht dorthinein
durch die großen Bogenfenster der Loggia; unter diesen versetzt,
befinden sich kleine quadratische Fenster; die Fenster auf der Breitseite
des Gebäudes öffnen sich auf die Säulenreihe der Kopfseite
der Arena und die anderen auf die Gänge unter dem übrigen Teil
der Loggia. Die äußere Dekoration ist sehr einfach, was dem
Objekt entspricht, aber seine Disposition lässt eine genauere Korrespondenz
mit den inneren Teilen zu wünschen übrig. Dieses war das letzte
Gebäude, welches Salucci für den König von Württemberg
konstruierte.
- Er hatte viele andere Gebäude auf königlichen Befehl entworfen,
die aber nicht ausgeführt wurden. Ich werde sie hier nur andeuten,
weil die Beschreibung und Analyse eines jeden von ihnen hier zu umfassend
und nach den ausgeführten Studien vielleicht auch unnötig wäre,
auch weil diejenigen, die wirklich im Besitz der Kunst der Architektur
sind, schon das große Verdienst erkannt haben werden, das unserem
Salucci zukommt; auch im Folgenden werde ich dort, wo ich es für angebracht
halte, das gleiche System anwenden.
- Die erwähnten Zeichnungen sind also die Folgenden: zwei Entwürfe
für ein Stadttor für Stuttgart, zwei Zeichnungen für zwei
Schranken, die zwei der alten Stadttore ersetzen sollten; drei Ideen zu
Triumphbögen; der Entwurf einer runden Reitbahn, der Grundriss zweier
Häuser nach griechischem Usus (28) und schließlich das Projekt
eines großartigen Theaters für die Stadt Stuttgart.
- Die Aufgabe der Konstruktion eines den modernen Gebräuchen angemessenen
Theaters, das in sich die drei für jedes Bauwerk unverzichtbaren Eigenschaften
vereinigt, nämlich die Solidität, die Bequemlichkeit und die
Schönheit, ist eine der schwierigsten der Architektur. Salucci hat
sich ausgiebig mit diesem Objekt auseinandergesetzt und außer dem
Entwurf für das soeben erwähnte Stuttgarter Theater hat er uns
zwei andere hinterlassen, auch wenn in ihrem wichtigsten Teil, d. h. in
dem, der tatsächlich Theater (29) genannt wird, diese Zeichnungen,
der Natur der Sache entsprechend, alle der Norm entsprechen.
- Von den zwei Theaterprojekten wurde eines im Auftrag einer aus mehreren
Personen gebildeten Gesellschaft entworfen und sollte auch in Stuttgart
ausgeführt werden, was dann aber nicht geschah; das andere war die
letzte Arbeit unseres Autors, aber ich habe jetzt davon gesprochen, um
nicht mehr auf dieses Thema zurückkommen zu müssen.
- Dieses Projekt beinhaltet ein einzigartiges Detail, das vielleicht
noch nie von anderen so vorgestellt worden war, so glaubte jedenfalls Salucci
und auch ich habe keine gegenteilige Nachricht: man zitiere nicht Plinius
Bericht über Theater von C. Curione, weil dieser in unserem Fall unzutreffend
ist.
- Salucci hatte sich zwei einander gegenübergestellte Theater mit
gemeinsamer Bühne ausgedacht, eines von ihnen, das viel mit einem
antiken Theater gemeinsam hat, ist geeignet für musikalische Vorstellungen
und Vorführungen am Tage, da es überdacht ist.
- Wenn man bei entsprechender Gelegenheit die Ränge des Odeons auf
der Bühne in Holz weiterführt, so kann man es mit dem anderen
Theater vereinigen, so dass beide ein einziges, für festliche Anlässe
geeignetes Ganzes bilden; der Boden kann durch ein bewegliches Getäfel
auf die gleiche Ebene gebracht werden.
- Ich berichtete schon von der Antwort, die Salucci dem Verwalter der
Gebäude und Gärten des Königs von Württemberg gab,
als dieser ihm im Namen des Letzteren anbot, sich fest am Hofe niederzulassen.
Aber besagter Verwalter war Salucci feindlich gesinnt, und als er dem großen
Hofmeister seine ehrliche Antwort wiedergeben sollte, sagte er in seinem
Bericht, dass Salucci den Vorschlag annähme, zu den Bedingungen, die
damals seinem Gehalt entsprachen. Salucci erfuhr nichts von der veränderten
Antwort, die einige Zeit später sein Schicksal entscheiden sollte.
Dieses Ereignis hatte unzählige Unannehmlichkeiten zur Folge, denn
jedesmal wenn er für seine Arbeit ein höheres Entgelt beantragte,
wie es ein Artikel seines Vertrags erlaubte, wurde dieses vom Verwalter
abgelehnt. Mehr noch, jener verlangte, selbst Architekt zu sein und versuchte
mehrere Male, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass er
einen großen Teil zu den Werken Saluccis beigetragen habe. Dieser
seinerseits hatte allerdings keine Schwierigkeit, die Absurdität solcher
Behauptungen zu beweisen, so dass der Verwalter sich es daraufhin zur Aufgabe
machte, ihm alle möglichen Hindernisse in den Weg zu stellen, und
oft gelang es ihm auch.
- Schließlich müde dieser Schikanen, präsentierte Salucci
im Juli 1827 dem König ein Schriftstück, in dem er das ganze
gegen ihn gerichtete Verhalten des Ratgebers Leyffer, d.h. des Verwalters
der Königlichen Gebäude und Gärten, darstellte und zwar
von dem Moment an, in dem Salucci an den Württembergischen Hof gekommen
war. Nachdem seine Beschwerden anerkannt worden waren, wurde ihm im gleichen
Jahr noch ein Zusatz von 500 Gulden zum Gehalt bewilligt, der ihm jedoch
1832 wieder abgesprochen wurde: 1834 wurde er ihm wieder bewilligt, in
Anbetracht seiner Arbeiten bei dem Bau des Schlosses der Prinzessinnen;
1838 schließlich bekam er diesen Zusatz nicht mehr, auch wenn zu
dieser Zeit besagtes Schloss noch im Bau war und zusätzlich zur gleichen
Zeit auch die Reitbahn errichtet wurde. Unzufrieden mit diesem Vorgehen
und ohne Hoffnung, das Projekt seines großen Theaters zur Ausführung
bringen zu können, beschloss Salucci in seine Heimat zurückzukehren;
er bat daher um seinen Ruhestand, der ihm am 6. Dezember 1839 mit einer
jährlichen Pension von 1485 Gulden bewilligt wurde.
- Da der Marquis Luigi Salucci gestorben war, hatte sich unser Architekt
1838 in die Toskana begeben, um gesetzlich als Erbe desselben anerkannt
zu werden, war er doch der einzige lebende Nachkomme der Familie Salucci,
dem dieses Erbe gebührte, und so wurde es auch durch ein Dekret des
Gerichts von Pisa vom 24. Dezember des gleichen Jahres bestätigt.
Ende Juni des darauffolgenden Jahres kehrte er nach neunmonatiger Abwesenheit
nach Stuttgart zurück.
- Der Marquis Luigi Salucci, dessen Vater sich zur Zeit des Etrurischen
Reichs aus Eitelkeit den Titel Marquis beschafft hatte, der in seiner Familie
vererbbar war, war der letzte Verwandte unseres Salucci, und bei ihm hatte
sein Vater ihn in seiner Jugendzeit unterbringen wollen, wie ich am Anfang
schon sagte.
- Das Erbe des Marquis Salucci bestand in einem angesehenen Kredit der
spanischen Regierung und in einem anderen Kredit, auch dieser von einer
beträchtlichen Höhe, eines Bankinstituts in Antwerpen. Salucci
begab sich daher im August 1839 in diese Stadt, um auch hier als legitimer
Erbe des Marquis anerkannt zu werden und um einen Vertreter seiner Interessen
abzuordnen. Im darauffolgenden September kehrte er nach Stuttgart zurück.
- Aus dem gleichen Grund, nämlich der Erbschaft, reiste er Anfang
1840 nach Paris, wo er sich etwa sieben Monate aufhielt und sich der Hoffnung
hingab, jemanden zu finden, dem er den Kredit der spanischen Regierung
abtreten könnte, oder einen Weg zu finden, diesen selbst ausgezahlt
zu bekommen. Vielleicht werden jemandem, der in Eile urteilt, diese Angaben,
die ich im vorigen Absatz gegeben habe, als unnütz für die Öffentlichkeit
erscheinen, aber er wird sicher seine Meinung ändern.
- Am 13. September des gleichen Jahres 1840 reiste Salucci von Stuttgart
nach Florenz, wo er am 28. des gleichen Monats ankam, nachdem er sich acht
Tage in Mailand aufgehalten hatte.
- Im Verlauf seines Aufenthalts im Württembergischen Reich, abgesehen
von dem auf Auftrag einer Privatgesellschaft entworfenen Projekt eines
Theaters, von dem ich oben schon gesprochen habe, schickte er herrliche
Zeichnungen von Schlössern und Landhäusern in verschiedene Länder
Deutschlands, nach Holland und Belgien und für den General Benckendorf
zeichnete und errichtete er in der Nähe von Stuttgart, in einem Ort
namens Heslach, einen runden Tempel von attischer Eleganz, der als Mausoleum,
für die verstorbene Gattin jenes Herrn dienen sollte (30).
- Mit dem Wunsch, in seiner Heimat ein Andenken von sich zu lassen, begab
sich Salucci an die Zeichnung einer Fassade für die Kirche S. Lorenzo.
Im Zeitalter der Aufklärung verdienten die in vergangenen Zeiten für
die Kirche vorgesehenen Entwürfe, wenn sie auch von angesehenen Männern
stammten, nicht mehr als den Tadel derjenigen, die mit der Architektur
vertraut waren.
- Salucci glaubte zu Recht, dass er die Fassade aus dem entnehmen müsse,
was Brunellesco uns an den Seiten der Gebetsstätte gelassen hatte
und aus dem äußeren Aspekt der Pazzi-Kapelle, einem von jenem
vollständig ausgeführten Werk. So bildete Salucci einen Bogengang
aus drei Arkaden , die von aneinandergefügten Säulen gehalten
werden. Von diesen Arkaden besetzen die mittlere und die beiden anliegenden
Interkolumnien die ganze Breite des großen Kirchenschiffs, die anderen
beiden deuten die Seitengänge an; an ihrem Ende stehen die Kapellen.
Die Breite des Bogengangs entspricht der einer Arkade, d.h. sie ist die
gleiche, wie die der Seitenschiffe. An den Kopfenden hielt er einen Bogen,
gleich denen an der Vorderseite der Pazzi-Kapelle , für unangebracht,
da es ihm als ein Zeichen von Schwäche erschien. So bildete er zusätzlich
zu den Ecksäulen noch zwei andere. Der Rahmen des ersten Seitenraums
wird auf den Säulen der Kopfenden und an den aneinandergefügten
Säulen fortgesetzt. Auf ihm liegen die Bögen. Die Mauer zwischen
den einzelnen Bögen stößt an die Seiten des Bogengangs
und dann auf die Flügel der hinteren Kapellen und endet schließlich
im zweiten Raum von gleicher Höhe. Der Rahmen dieses Raumes wiederholt
sich im ganzen Bau. Die Erhöhung des Mittelschiffs endet mit dem Frontispiz.
- Der Schwachpunkt der vorliegenden Zeichnung ist, dass die Neigung des
Daches in den beiden Dreiecken, die auf den Kopfenden des Bogengangs enden
geringer ist, als die des Trapez, das auf seiner Vorderseite steht. Wenn
die Länge des Bogengangs bei gleicher Disposition der Arkaden identisch
mit der Breite aller drei Schiffe zuzüglich eines Pilasters in jeder
Ecke wäre, so stünden die Seiten des Bogengangs, an denen man
einen Bogen anbringen sollte, wie die, die im Inneren Zugang zu den Kapellen
verschaffen, in einer Reihe mit den Mauern des zweiten Raumes: so würde
der Schwachpunkt vermieden und man würde meiner Meinung nach dem Anliegen
Brunellescos gerechter nachkommen.
- Salucci machte diesen Entwurf der Fassade der Kirche S. Lorenzo zum
Geschenk an den Großherzog, der ihm dafür ein Schmuckstück
schenkte.
- Das Studium der Werke des unsterblichen Brunellesco erfüllte Salucci
mit immer größerer Leidenschaft und so entwarf er im Stile Brunellescos
eine Gebetsstätte, deren Fassade an ihrer Seite, ähnlich derjeniger,
von der ich gerade gesprochen habe, zwei elegante Glockentürme etwas
abseits stehen hatte, die aber wunderbar mit dem ganzen Bauwerk verbunden
waren.
- Im zweiten Jahr des letzten Jahrzehnts des vergangenen Jahrhunderts,
entwarf der gelehrte Architekt Giuseppe del Rosso, auch er eine Person,
die zur Ehre unseres Florenz und ganz Italiens beigetragen hat, die Fassade
für die Kirche S. Spirito, auch diese ein Werk des Brunellesco, das
aber nach seinem Tod ausgeführt wurde. Es war unmöglich, für
diese Fassade einen Bogengang im gleichen Stil des Gebäudes zu arbeiten,
da die Wiederkehr des äußeren Rahmens des ersten Raumes um einiges
höher liegt als die des inneren Rahmens, auf dem die Bögen der
Seitengänge liegen; daher machte del Rosso nichts anderes, und den
Gesetzen der Architektur nach hatte er auch keine andere Möglichkeit,
als die Seitenrahmen wiederaufzunehmen, das Hauptschiff mit dem Frontispiz
zu beenden und die Seitenschiffe mit zwei halben Frontispizen. In den beiden
Flügeln, die durch den hinteren Teil der Kapellen geformt werden,
entwarf er das 'semitestudinato' Dach. Eine solch einfache, schöne
und vernünftige Idee, für die wir ein Beispiel in der Kirche
S. Salvatore al Monte finden, hervorragendes Werk des Simone Pollajolo,
genannt "il Cronaca", könnte man auch für die Fassade
von S. Lorenzo verwenden, im Falle, dass der Entwurf von Salucci sich als
zu kostspielig erweisen würde.
- Ein gewisser Signor Natas entwarf das Projekt einer Fassade für
unseren Dom. Dieses Projekt veröffentlichte er dann zusammen mit einem
Kommentar dreier Personen, die auf seine Bitte hin ihm als Ratgeber bei
diesem Werk gedient hatten.
- Eine dieser Personen ist Salucci , der diesen Auftrag aus Rücksicht
auf die anderen beiden, ihm gut bekannten Personen angenommen hatte und
aus Ergebenheit zu ihnen - und hierfür kann er nicht entschuldigt
werden - hatte er das oben genannte Urteil unterschrieben und wenn er auch
seinerseits alles, was ihm zu besagtem Projekt angemessen erschien, vorgeschlagen
hatte, so war er doch keineswegs von dem Ergebnis befriedigt. In der Tat
können die Basreliefbögen, die man auf der Zeichnung sieht, nichts
anderes von dem darstellen, was der Signor Natas im Kopfe gehabt haben
könnte, als die Schnittlinie der drei Schiffe des Gebäudes, die
auf der Achse der Stützpfeiler liegt. Nur ist dies absolut unmöglich,
denn keine der äußeren horizontalen Linien befindet sich auf
der gleichen Ebene der inneren Bögen, und daher ist diese Idee unausführbar.
Viele und gewichtige Argumente wären gegen den Grund anzuführen,
der die Verlegung des groben Auges motiviert hat, doch würde das hier
zuweit führen und ich will auch nun keine Dissertation schreiben über
die Fassade des Domes, deren Türen, nebenbei gesagt, sehr armselige
Ornamente haben, wobei hier der geeignete Platz gewesen wäre, um mit
neuen Einfällen zu spielen. Vollkommen unangebracht, abgesehen von
ihrer unschönen Form sind die Tabernakel, die auf der Spitze der Stützpfeiler
stehen und Salucci sagte im Scherz, dass für diese Tabernakel eine
Laterne, ich weiß nicht, ob die des Diogenes oder die des Figaro,
wie es wahrscheinlicher ist, als Modell gedient habe.
- Im Juli des Jahres 1844 sah man in unserem Dom an der Stelle einer
der Orgeln eine große Leinwand, auf der der Entwurf für die
Verzierung jener Orgel gemacht war, die die alten Ornamente ersetzen sollte.
Ehrlich gesagt hatte die neue Zeichnung nicht mehr Vorteile als die alten,
denn wenn sie im Stil auch verschieden war, so stellte sie im Kern doch
nichts anderes dar, als die Ornamentation eines der üblichen Schränke.
Als Salucci das bemerkt hatte, kam er sofort zu mir und wollte, dass ich
ihn in den Dom begleitete. Dort erklärte er mir seine Idee, auf den
beiden Seiten, wo die Orgeln stehen, eine Arkade in Basrelief zu wiederholen,
ähnlich derer, die sich auf den gegenüberliegenden Wänden
öffnen, um in die kleineren Schiffe zu führen und so, fuhr er
fort, bliebe in der Mitte jeder dieser neuen Arkaden der Platz für
die Orgel, deren Verzierungen im gleichen Stil wie die der darunterliegenden
Türen, die in die Sakristei führen, sein müssten. Was den
Balkon beträfe, so hätte man keine andere Möglichkeit als
die Galerie zu kopieren, die um die ganze Kirche führt. Ich stimmte
zu, dass diese Idee wunderbar und vielleicht die einzige, diesen Umständen
angemessene sei. Am darauffolgenden Tag hatte ich das Vergnügen, diesen
Einfall von seinem Autor in einer Zeichnung dargestellt zu sehen (31) und
ich fand ihn in wunderbarer Übereinstimmung mit dem Konzept, das ich
mir davon schon im Kopf geformt hatte. Salucci suchte noch am gleichen
Tage den Signor Montalvi auf, damals Direktor der Königlichen Galerie,
Präsident der Akademie der Schönen Künste und 'Arbeiter'
des Domes, um ihm die besagte Zeichnung zu zeigen. Dieser Herr erklärte
Salucci, dass auch ihn der im Dom vorgestellte Entwurf nicht zufriedenstellte
und dass der Einfall Saluccis ihm sehr viel passender erschien und so bat
er ihn, ihm die Zeichnung für einige Zeit zu lassen, um sie auch der
mit dem Werk beauftragten Person, deren Entwurf im Dom ausgestellt war,
zu zeigen. Signor Montalvi behielt die Zeichnung bis zum Vorabend des Todes
Saluccis und gab sie auf Anfrage an meine Person zurück: nun ist diese
Zeichnung in meinem Besitz, zusammen mit allen anderen eigenhändigen
Zeichnungen unseres Architekten. In dem Werk, das dann ausgeführt
wurde, stellte man den Anspruch auf Originalität, doch in Wirklichkeit
produzierte man nichts anderes als eine Deformation der Zeichnung Saluccis,
nicht ohne Hinzufügung einiger Inkongruenzen.
- Salucci entwarf eine wunderbare Kirche in antikem ionischen Stil, die
in Florenz zum Gebrauch der Protestanten gebaut werden sollte, doch nach
dem Tod des Auftraggebers blieben seine Mühen ohne Wirkung und auch
ohne Belohnung. Noch nicht einmal das Projekt, das er als eines der ersten
nach seiner Rückkehr in die Heimat für den Signor Demidoff entwarf,
kam zur Ausführung.
- Es bestand in einem Gebäude, in dem der Xenotaph des Vaters jenes
Herrn aufbewahrt werden sollte. Für dieses Gebäude hatte Salucci
mit großem Eifer im Laufe von zwei Monaten drei vollständige
Entwürfe angefertigt, von denen einer kreisförmig ist und in
seinem oberen Teil stark an das Monument des Lysikrates in Athen erinnert.
Der bescheidene Architekt verlangte als Gehalt für seine Arbeit 1600
Franken, bekam aber nicht mehr als die Hälfte dieser Summe.
- Gewöhnt an ununterbrochene Tätigkeit, entwarf Salucci zu
seiner Übung und zu seinem Vergnügen zwei Projekte für zwei
Orte unserer Stadt Florenz.
- Das erste dieser Projekte ist ein Palast, der die Häuserreihe
auf der rechten Seite der Via dei Bandii, die auf den Platz Santa Maria
Novella und in die Via del Giglio geht, ersetzen sollte; das andere ist
das doppelte Theater, von dem ich schon vorher gesprochen habe und das
man auf der nördlichen Seite errichten könnte, denn dies ist
der Standpunkt, an den der Autor beim Entwurf dieses Projekts gedacht hatte.
- Salucci begann im Laufe des Jahres 1844 an einer Lungenkrankheit zu
leiden, die später immer schwerer wurde, so dass er bettlägerig
wurde. Er lebte in einer Pension und musste durch die Umstände der
Krankheit Personen anstellen, die ihm die ständige Assistenz garantierten,
die für ihn notwendig war. So lebte er einige Monate, aber als ihm
dann die Mittel fehlten, um für alle diese großen, aber für
seine Gesundheit unverzichtbaren Ausgaben aufzukommen, bat er um einen
Platz gegen Zahlung im Militärhospital, der ihm zugestanden wurde.
Er blieb jedoch sehr unbefriedigt, als er in einem Durchgangszimmer untergebracht
wurde, in dem bei Bedarf auch ein weiterer Kranker lag; ihm schien es,
dass das Personal ihm nicht mit der Ausdauer beistand, die er sich an diesem
Ort vorgestellt hatte zu finden; die Speisen fand er ungenießbar,
so wie sie gekocht waren und schließlich verlor er auch noch das
Vertrauen in die Ärzte dieses Hospitals. So kehrte er wieder in die
Pension zurück.
- Doch die Krankheit schritt immer weiter voran und so vergrößerten
sich auch seine Bedürfnisse und folglich seine Ausgaben, die sich
in kurzer Zeit als zu hoch erwiesen, so dass er wieder ins Hospital zurückkehrte;
dieses Mal aber nicht ins Militärhospital, wo er nicht zugelassen
wurde, sondern in das Hospital S. Maria Nuova, in einen gewissen Raum,
der Adelszimmer genannt wurde. Um in diesem Zimmer untergebracht zu werden,
musste man täglich zwei Paoli zahlen. In dem Raum standen etwa zwanzig
Betten, von denen aber nur das Bett neben der Eingangstür frei war
und hier wurde unser armer, fast halbtoter Greis untergebracht. Er beklagte
sich darüber, dass er in einem solchen Raum zu ersticken glaubte und
so wurde erreicht, dass man ihn in den Kliniksaal brachte, der leer stand
und wo er nach einigen Tagen, am 18. Juli 1845 starb.
- Ich ließ unter den Personen, die ihn gekannt hatten, das Geld
sammeln, das notwendig war, um den Leichnam in einem Kreuzgang einer unserer
Kirchen zu bestatten und um in einer Gedenktafel seine Verdienste um den
Ruhm des Vaterlandes, wenn auch in einem fremden Land geleistet, öffentlich
darzustellen, wie auch sein jämmerliches Ende in der Heimat. Auf meine
Anfrage hin und nach meinen Anweisungen machte es sich der berühmte
Gio. Batista Niccolini, der von der Krankheit Saluccis nichts gewusst hatte,
zur Ehre, die Inschrift für den gemeinsamen Freund zu diktieren, die
ich nach vielen lebhaften Differenzen, die ich mit der Zensur hatte, in
voller Länge in Marmor schlagen und im ersten Kreuzgang des Klosters
von S. Marco anbringen ließ, wo die Bestattung stattgefunden hatte.
Diese Inschrift wird in der vorliegenden Schrift zum erstenmal gedruckt.
- Die Mitglieder des königlichen Instituts der britischen Architekten
in London, gut unterrichtet über die Fähigkeiten unseres Saluccis,
hatten ihn ultroneamente zu ihrem Mitglied erklärt, worüber er
sich sehr geehrt fühlte.
- Die jungen Architekten Deutschlands schließen in ihre jährlichen
wissenschaftlich-künstlerischen Exkursionen jetzt auch Stuttgart ein,
wo sie die schönen Werke unseres Architekten studieren und auch englische
Studenten begeben sich zu demselben Zweck in diese Stadt.
- Die Entwürfe des Schlosses auf Rosenstein wurden im Giornale enciclopedico
d'architettura von Förster und in der History of gardening veröffentlicht,
von der ich in einer Anmerkung schon ein Stück zitiert habe. In Deutschland
wurden sie auch in Kupfer gestochen. Ich weiß nicht, ob diese Entwürfe
noch anderswo veröffentlicht wurden. Die Entwürfe der übrigen
Gebäude sind meines Wissens nicht im Druck herausgekommen. Da Salucci
bei der französischen Regierung unter Louis Philippe seinen Militärdienst
in dem Heer dieser Nation abgeleistet hatte, wurde ihm zu Recht das Kreuz
der Ehrenlegion verliehen.
- Im Hinblick auf ein Wiederaufleben seines Namens in seiner Heimat,
hatte er 1826 aus Deutschland der Akademie der Schönen Künste
in Florenz die Entwürfe der Gebäude gesandt, die er bis zu diesem
Zeitpunkt für den König von Württemberg errichtet hatte
und das sind: das Lustschlösschen von Weil, das Monument auf dem Rotenberg
und das Schloss auf Rosenstein. Bei dieser Gelegenheit wurde er zum Akademiker
ausgezeichnet.
- Salucci war ein einzigartiger Architekt von großer Vorstellungskraft:
die Zahl seiner Erfindungen ist überraschend. Man hat gesehen, dass
er Kirchen, Mausoleen, Stadttore, Triumphbögen, Theater, Reitbahnen
und Schlösser gebaut hat, die einen wie die anderen sowohl in der
Stadt als auch auf dem Land und auch Gebäude im antiken griechischen
Stil. Die Disposition der Grundrisse seiner Gebäude ist bewundernswert.
Er hatte eine umfangreiche Kenntnis aller Bequemlichkeiten, die in den
modernen Herrenhäusern gefragt waren und das große Talent, diese
auf die geeignetsten Plätze zu verteilen.
- Alles, was die Solidität der Gebäude betrifft, ist angemessen
, d.h. weder übertrieben noch mangelhaft praktiziert worden. Seine
Gebäude haben immer ein charakterisches und gewichtiges Aussehen und
wenn einige etwas zu wünschen übrig lassen, besonders in der
Dekoration, so muss man dies seiner zu blühenden Phantasie zuschreiben,
die es ihm nicht immer erlaubte, lange in dieser leidvollen Spannung des
Geistes auszuharren, die ein Werk zu seiner letzten Perfektion bringt.
Er kannte in Grundzügen alle Sparten der Arbeiten, die zur Errichtung
eines Gebäudes notwendig sind und daher hat die Ausführung seiner
Werke nie die vorgesehenen Ausgaben überschritten.
- In der linearen wie in der Flugperspektive war er ein großer
Meister: wenn er die Notwendigkeit fühlte, seinen Geist auszuruhen,
gefiel es ihm, seine Werke nach den Regeln besagter Kunst als Aquarelle
zu zeichnen. Diese perspektivischen Zeichnungen sind mit einer erstaunlichen
Feinheit ausgeführt.
- Auch seine geometrischen Zeichnungen sind mit großem Fleiß
praktiziert, aber ihr größter Teil ist schattig und mit Aquarellen
gefärbt, dieses tat er, um dem allgemeinen Brauch zu folgen, man beachte
jedoch , dass er mit dem Verschönern dieser Zeichnungen nur sehr wenig
Zeit verlor, in Anbetracht der großen Leichtigkeit mit der er diese
rein mechanische Operation durchführte: in vielen dieser Zeichnungen
sind Zahlen für die Maße der Hauptteile angegeben; besser wäre
es, wenn alle angemerkt wären, wie es eigentlich die Regel sein sollte.
- Salucci war ein freier Geist: sein Charakter war eher stolz, resolut
und jähzornig. Er war hochgewachsen und von schlanker Gestalt: gewohnt,
sich mit einer gewissen Eleganz zu kleiden, artete diese jedoch nie in
Ziererei aus, weil sein Wesen und sein Benehmen immer etwas militärisches
an sich hatten. Zum Schreiben bediente er sich normalerweise der französischen
Sprache, weil es ihm durch den häufigen Gebrauch, den er von ihr machen
musste, so zur Gewohnheit geworden war.
- Ich lernte Salucci wenige Monate nach seiner Rückkehr in die Heimat
kennen, aber etwa ein Jahr lang äußerte sich unsere Bekanntschaft
in nichts anderem, als einem einfachen Gruß. Eines Tages jedoch begannen
wir eine Unterhaltung über ein architektonisches Thema und so kam
es, dass wir uns beide ereiferten. Von diesem Disput an begannen wir uns
gegenseitig zu schätzen und es begann eine innige Freundschaft zwischen
uns, die bis zu seinem Tod andauerte.
- Ich werde jetzt Gericht halten über das Guthaben Saluccis, um
ihn von der Bezichtigung eines Verschwenders zu entlasten, eine Bezeichnung,
die einige ihm vielleicht anhängen wollen, um ihn dann als seines
traurigen Endes verdient zu erklären. Laut einem Gesetz des Württembergischen
Reiches, müssen die Pensionäre, die sich nicht im Staat niedergelassen
haben, der Staatskasse einen Teil ihrer Einkünfte hinterlassen und
deshalb bekam Salucci nach seiner Heimkehr nach Italien von seiner Pension
nicht mehr als 753 toskanische Lire alle drei Monate.
- An anderer Stelle in diesen Aufzeichnungen habe ich seine in Deutschland
gemachten Verdienste angemerkt. In der Zeit seines Aufenthaltes in diesem
Land lebte er nicht nur mit einer gewissen Würde, wie er es seit seiner
Kindheit gewohnt war, sondern schickte auch Geld an seine einzige Tochter,
die in Mailand lebte, daher konnte er nicht viele Ersparnisse haben und
diese wurden für die von ihm wegen seiner Erbschaft unternommenen
Reisen aufgebraucht, von denen ich schon früher gesprochen habe und
für die Ausgaben des Prozesses in gleicher Sache beim Gericht von
Antwerpen. Der Prozess wurde zu seinen Gunsten entschieden, aber erst nach
seinem Tod. Etwa 1000 Lire wurden ihm abgelistet, von Personen, die ihn
- immer umsonst - hoffen ließen, seinen Kredit bei der Spanischen
Regierung wiederzuerlangen. Von seiner Erbschaft bekam er also nie etwas
zu sehen. Von seinem armseligen Verdienst in seiner Heimat habe ich schon
gesprochen. Es sei noch bemerkt, dass man beim Nachdenken über die
in den vorliegenden Erinnerungen erzählten Ereignisse leicht davon
überzeugt wird, dass es nicht gerade viel Geld war, mit dem er für
seine großen und ehrenvollen Mühen entlohnt wurde und dass die
Summe diesen bei weitem nicht entsprach.
- Salucci hatte in seiner Jugend, bevor er die Toskana verließ,
geheiratet, doch wie es jemandem geschieht , der diesen Schritt ohne Überlegungen
begeht, lebte er mit seiner Frau nur etwa ein Jahr zusammen. Sie bekamen
eine Tochter, die danach mit der Mutter zusammen lebte.
- Beide starben vor ihm. Die Enkel, die ihm seine Tochter gebar, waren
seine Erben. Hauptsächlich mit der Aussicht, ihnen ein großes
Erbe zu hinterlassen, hatte er all das Geld ausgegeben, das ihm vielleicht
viele der Leiden seines letzten Jahres erspart hätte.
- Aber er konnte nicht vorhersehen, dass die Verteidigung seiner Interessen
so lange dauern sollte, dass er ihr Ende nicht mehr erleben konnte.
- Nach allem, was ich hier dargestellt habe, kann man, glaube ich, nicht
zögern, wie es schon der berühmte Gio. Batista Niccolini tat,
Giovanni Salucci zu einem Mann zu erklären, der die antiken italienischen
Ehren vermehrt hat, und ich glaube auch, dass die jetzigen Leser wie auch
deren Nachfolger, es schätzen werden, dass ich die Erinnerungen an
Leben und Werk eines so hervorragenden Mannes geschrieben habe, etwas,
was nur ich machen konnte, da ich der Einzige war, der seine Erzählungen
vernommen hatte und der im Besitz von Dokumenten war, die diese bezeugen
konnten. Im Besitz dieser fühlte ich mich so dem Publikum um etwas
schuldig und bin nun froh, von dieser Schuld befreit zu sein.
-
- In einfache Marmortafel gehauene Inschrift, im ersten Kreuzgang des
Klosters S. Marco von Florenz, auf der Seite, die nach Westen zeigt.
-
- HIER RUHT IM FRIEDEN DES HERRN
- GIOVANNI SALUCCI
- DER IM FRANZÖSISCHEN HEER
- ALS OFFIZIER DES GENERALSTABS
- UND OBERLEUTNANT DES PIONIERKORPS (*)
- AUF DEM SCHLACHTFELD VON WATERLOO
- DAS GLÜCK NAPOLEONS UNTERGEHEN SAH
- UND ALS ERSTER ARCHITEKT
- DES KÖNIGS VON WÜRTTEMBERG
- MIT SEINER KUNST UND SEINEN WERKEN,
- STAUNEN UND NEID BEI DEN FREUNDEN ERZEUGTE
- UND DIE ANTIKE EHRE DIESES UNHEILVOLLEN ITALIENS VERMERKTE, DAS SEINEN
SÖHNEN SO UNDANKBAR WAR.
- IM ALTER ENDLICH NACH FLORENZ ZURÜCKGEKEHRT
- BEKAM ER SO SEHR DIE FEINDSELIGKEIT
- DES SCHICKSALS ZU SPÜREN,
- DASS ER IN DIESEM HOSPITAL
- UNTER ARMSELIGEN BEDINGUNGEN STARB.
- UND IN SEINER HEIMAT FAND SICH
- AUS ERBARMEN EINES FREUNDES
- KEIN ANDERES ALS DIESES GRAB
- -----------------
- ER WURDE AM ERSTEN JULI DES JAHRES MDCCLXIX
- GEBOREN UND STARB AM 18.
- DES GLEICHEN MONATS IM JAHRE MDCCCXLV
-
- (*) Was den Salucci zugesprochenen Grad betrifft, so befindet sich
hier ein Fehler; ich bemerkte dieses Versehen nicht, als ich Niccolini
die Notizen gab, sondern erst, als die Inschrift schon fertig war. Jetzt
habe ich den Fehler korrigiert.
- Anmerkungen:
-
- 1) Im Jahre 1795
-
- 2) Gewisse Personen veröffentlichten in der Presse Beschwerden
wegen der Bevorzugung Saluccis bei der Auswahl der Zeichnungen. Einer der
letzten, in einer gewissen Guida di Padova, gedruckt 1842, wiederholte
nicht nur das Loblied seiner Vorgänger, sondern machte sich zum Richter
und beurteilte das Werk, indem er sich allerdings Wörter und Redeweisen
bediente, die ihn schnell als inkompetenten Richter qualifizierten, auch
wenn er sich selbst für einen großen Meister hielt.
- Es sei darauf hingewiesen, dass besagtes Werk so konstruiert werden
sollte, dass man von der Kirche direkt den Chor, der hinter dem Altar blieb,
betreten konnte, ohne die Sakristei, wie es damals üblich war, durchqueren
zu müssen, so dass der Hilfsdiakon, der der gesungenen Messe beiwohnte,
den Sängern den Friedensgruß bringen konnte.
- Die Zeichnung von Calderari besteht aus vier Säulen, die sich
auf einem Sockel in der Höhe des Altars erheben. Besagte Säulen
stützen den Rahmen und das Frontispiz: in der mittleren Zwischensäule
ist ein Reliefbogen und auf den beiden Seitensäulen eine von Tragebalken
gestützte Öffnung, die von dem Sockel, auf dem die Säulen
stehen bis zum Rahmen, der als Laden des Bogens dient, reicht. Ist es nun
möglich, dass der Hilfsdiakon von der Kirche zum Chor und umgekehrt
gehen konnte, indem er jedesmal über das Sockelhindernis kletterte?
- Salucci dagegen öffnete in der Wand, die den Chor von der Kirche
trennt, einen Bogen in der Größe, die die Dimensionen erlaubten.
- Indem er nun zum Durchmesser die Breite jenes Bogens erhielt, baute
er einen Halbkreis aus einzelstehenden Säulen in den Chor hinein,
die auf dem Boden stehen und den Ornamentteil stützen, auf dem das
Viertelgewölbe steht, das die Tribüne etc. bedeckt. So ist es
also möglich, dass man durch die Zwischensäulen direkt von der
Kirche in den Chor und umgekehrt gelangen kann, wie es verlangt worden
war.
- Ich habe schon gesagt, dass Salucci nur am Anfang die Bauarbeiten seines
Werkes leiten konnte, daher darf man sich nicht wundern, wenn einige Teile
Defekte aufweisen, besonders die Abstufung der Kassettendecke, die das
Gewölbe schmückt.
-
- 3) Am 7. November 1798 wurde in Florenz ein Urteil verkündet,
in dem zusammen mit Orazio Dattellis der flüchtige Giovanni Salucci
zum Tode verurteilt wurde, dafür dass er seit September 1797, während
er in Bologna war, mit voller Überzeugung versucht hat, gegen die
Oberste Autorität der Toskana vorzugehen und danach auch Orazio Dattellis
dazu verführt hat.
- Siehe auch Schlussabstimmung im Urteil über die Attentate auf
die Oberste Autorität gegen Orazio Dattellis aus Neapel, Gio. Batista
Salucci und Leopoldo Micheli, beide Toskaner, verkündet durch die
ordentlichen Richter des Obersten Gerichtshofes, Florenz 1798, Druckerei
des Giuseppe Di Giovacchino Pagani und Teilhaber, mit Billigung.
- Einige wenig kluge Personen, die in diesem Urteil lesen, dass Salucci
eine Revolution in der Toskana geplant habe, nachdem einhundertdreißig
Personen des Landes ein gewisses Blatt unterschrieben hätten und ähnliche
Dummheiten, würden bestimmt zu dem Schluss kommen, dass Salucci ein
Verrückter oder wenigstens ein Dummkopf sei.
- Ich habe gesagt, dass dies das Urteil einer wenig klugen oder zumindest
unbesonnenen Person wäre, weil jeder, der das Urteil liest, verstehen
würde, dass dieses aus einem Prozess hervorgegangen ist, der in besonderer
Weise abgelaufen ist und so, besonders was Salucci betrifft, von jeglichem
Urteil absehen würde. In der Tat hielt jener es für absolut unmöglich,
die Toskana zu demokratisieren und hatte deswegen lange Diskussionen mit
Dattellis, einer eher lebhaften als weisen Person, die sich in den patriotischen
Versammlungen von Bologna rühmte, ein solches Unternehmen in Angriff
nehmen zu wollen. Die Diskussion wurde eines Tages heftiger als zuvor und
Salucci, der einen sehr entschiedenen Charakter hatte, lud eine beliebige
Person aus der Menge zu sich nach Florenz, wo er diese bescheinigen ließ,
was er selbst zur Unmöglichkeit ecc. versichert hätte und dies
aus dem Munde von Personen, die allen Neuigkeiten zugetan und den Patrioten
jenseits der Alpen bekannt waren. Wenige Tage nachdem er mit seinem Gefährten
in Florenz angekommen war, erhielt er den Befehl, sich zum Vorsitzenden
des Buon Governo zu begeben, aber statt diesen Besuch abzustatten, hielt
er es für besser, sofort nach Bologna zurückzukehren, was jeder
in Anbetracht der Zeiten getan hätte.
- Nun muss man wissen, dass die Anklage gegen den mehr enthusiastischen
als verbrecherischen Dattellis nach den Hinweisen einer ruchlosen Dirne
abgefasst wurde, Freundin Dattellis und insgeheim enge Freundin des Polizeiobersten
von Florenz, der sich schon ihrer bedient hatte, als es darum ging, Dattellis
nach Florenz zu holen.
- Nach diesen Hinweisen wurde der Prozess gestaltet. Das Magistratsmitglied
degli Otto Luigi Cremani, den das Gerücht als Urheber der ganzen Angelegenheit
ansah, war so überzeugt von den Aussagen obengenannter Dirne und ihrer
Kuppler, dass er das obengenannte Schlussurteil verkündete; die Richter
bestätigten es und harmlose Personen hielten es für eine große
Ungerechtigkeit, was mir der damalige Zuhörer Michelangiolo Buonarroti
mehrere Male bestätigte.
- Auch in den Bemerkungen über das Leben des Senators Francesco
Maria Giann hatte ich Gelegenheit, besser festzustellen, was für ein
Mann dieser Cremani war, dessen Heldentaten nun vor schon einem halben
Jahrhundert besungen wurden, wenn auch in gemäßigten Stil, so
doch ohne die geringste Veränderung der Tatsachen, wie ich mich in
authentischen Dokumenten überzeugen konnte.
- Auch das Urteil, das derselbe Cremani über den obengenannten Senator,
aufgrund der unerforschten Akte angeblicher Anhänger der französischen
Partei verkündete, wurde veröffentlicht.
- Vgl. Anmerkung auf S. 184 des zweiten Bandes der "Scritti di pubblica
economia, storico-economici e storico-politici del senatore Francesco Maria
Gianni". Firenze 1848-49, Tipografia di Luigi Niccolai. (Die beiden
Bände der "Scritti del senator Gianni" sind Teil der RACCOLTA
DEGLI ECONOMISTI TOSCANI, die vom gleichen Verlag veröffentlicht wurden,
unter dem gleichen Herausgeber der vorliegenden Erinnerungen, und werden
auch einzeln verkauft, was auch für die "Scritti di pubblica
economia del cav. Giovanni Fabbroni" zutrifft, die gleichfalls in
zwei Bänden veröffentlicht wurden. Das gleiche System des Verkaufs
in einzelnen Bänden wird auch im folgenden für die in besagter
RACCOLTA- L'Editore gedruckten Bände beibehalten.
-
- 4) Ein Rechteck in der Länge von 80 Pariser Fuß und der
Breite von 54.
-
- 5) Die Seitenlänge beträgt 67,5 württembergische Fuß.
Ein württembergischer Fuß umfasst 127 Linien des Pariser Fußes.
Im folgenden beziehen sich alle nicht qualifizierten Maßangaben auf
den Württemberger Fuß.
-
- 6) Dieses Gebäude wurde 1822 vollendet.
-
- 7) D'Augusta. Der Augusta - Gulden ist drei toskanische Lire wert.
Wenn im Folgenden von Gulden gesprochen wird, so beziehen sie sich immer
auf diesen.
-
- 8) Mit der Konstruktion dieses Palastes wurde im April 1824 begonnen,
Ende 1828 war er vollständig fertiggestellt. Man beachte, dass in
einem solchen Land den ganzen Winter lang die Arbeit wegen Schnee und Eis
stillstehen musste.
-
- 9) Der Rosenstein.
-
- 10) Der Neckar. Das Gebiet, auf dem sich das Bauwerk erhebt, liegt
102 Fuß über dem Spiegel des Flusses, von Cannstadt aus gemessen.
-
- 11) Hinsichtlich der Lage des Bauwerks kann man in der "History
of gardening" folgendes lesen: "Die Hügel und die Berge,
die es von allen Seiten umgeben, sind von der schönsten und abwechslungsreichsten
Form und in der richtigen Entfernung um eine faszinierende Wirkung zu erzielen;
die tiefer gelegenen Felder sind von Obstbäumen, Hütten und Weinbergen
bedeckt; die Spitzen der Hügel entweder nackt oder bewaldet; der Rotenberg
mit dem Denkmal der Königin auf seinem Gipfel; dieser schöne
Fluss, der Neckar, den man am Fuß eines steilen Ufers fließen
sieht, das fruchtbare Tal jenes Flusses mit dem alten Cannstadt auf der
einen Seite des Schlosses, auf der anderen, in einiger Entfernung ( ca.
eine Postmeile), Stuttgart, und überall der parkähnliche Stil
der Gegend, all dies ergibt eine der schönsten uns bekannten Landschaften
für eine Prinzenresidenz. Die Gemüsegärten, die Weinberge
und die Pflanzungen der anliegenden Gutsbesitzer harmonisieren in so bewundernswerter
Weise mit dem Park, dass es uns 1828 so erschien, als ob das ganze württembergische
Reich sich zusammengetan hätte, um einen Park und ein Schloss für
seinen König zu bilden. Diese scheinbare Wirkung ist allerdings ganz
entfernt von der Wirklichkeit, denn im Austausch mit Personen verschiedener
Schichten sind wir zur Überzeugung gekommen, dass trotz der Schönheit
der Lage und der voll anerkannten Verdienste des Herrn Salucci, dem Architekten,
und des Herrn Bosch, dem Gärtner, das Schloss als überflüssig
gehalten werden muss für einen König, der schon so viele Gebäude
besaß, zu deren Erhaltung zudem große Ausgaben nötig waren."
- Unter den Zeichnungen Saluccis wurde eine auf großer Folie gefunden,
die einen großen Teil der Landschaft, die man vom Rosenstein aus
sieht, darstellt. Auf dieser Zeichnung sieht man nicht das Schloss in seiner
späteren Ausführung, sondern eines der vielen für dieses
Gebäude gemachten Projekte.
- Salucci hatte die Konstruktion eines hohen Erdwalls vorgesehen, der
einen großen Platz formen sollte, auf dem sich das Bauwerk erhoben
hätte.
- Aber dies hätte eine große Ausgabe verlangt, so dass diese
schöne Idee nicht zur Ausführung gelangte.
-
- 12) Die Wohnungen sind sechs; zwei auf einer Seite, vier auf der anderen.
Ihre Hauptteile sind so angelegt, dass sie bei einem Fest eine einzige
Wohnung mit Saal und Speiseraum bilden können. Die Zahl ihrer Räume
ist 46, die Vestibüls und Durchgangszimmer nicht mitgezählt.
Küche und zugehörige Zimmer sind in einem Nebengebäude in
einiger Entfernung vom Schloss. Ebenso wurde mit dem Lustschlösschen
von Weil verfahren: Dies ist ein Brauch des Württembergischen Hofes.
Die Speisen werden in Eisenkisten über ein Holzkohlenfeuer gelegt
und diese Kisten in einen großen Holzkasten, der von zwei Männern
auf einer Bahre getragen wird.
-
- 13) Diese Unterteilungen sind jedoch nicht alle gleich, wie man jetzt
sehen wird. Die Gewohnheit, die Baupläne so einzuteilen, führt
dazu, die wichtigsten Zimmerfluchten so aufeinandertreffen zu lassen, dass
man (wenn es sich um ein Schloss handelt wie in diesem Fall) von den Prunksälen
wie auch von den Gesellschaftsräumen aus, nicht nur die ganze Länge,
sondern auch die Breite des Gebäudeinneren und seines Äußeren
genießen kann. Diese Genauigkeit in der Übereinstimmung ist
nicht nur angenehm für den Blick, sondern trägt auch zur Bequemlichkeit
der Bewohner bei und ist außerdem nützlich zur Belüftung.
Mit Hilfe dieser verschiedener Zimmerfluchten, die sich senkrecht miteinander
kreuzen, kann man die Stützmauern und die Zwischenmauern regelmäßig
errichten (Milizia, Principi di architettura civile, parte 2, lib. 3, cap.
5). Diesem allem füge man hinzu, dass es auch dazu nützt, die
innere mit der äußeren Aufteilung abzustimmen. In der Tat zeigen
in diesem Schloss die äußersten Pilaster der Vorbauten die Richtung
der Stützmauern, die Länge der Säulengangsfront des mittleren
Vorbaus zeigt die Breite des großen Festsaals und die Länge
des gleichen Vorbaus zeigt die Breite des Speisesaals.
- Salucci hat in allen seinen Werken konstant dieses System beibehalten,
mit Ausnahme des Schlösschens Eynard, wo er die Aufteilung der Räume
den vorgegebenen Mauern anpassen musste.
- Vielleicht erscheint es eigenartig, dass in einem vollkommen neuen
Gebäude, wie dem Lustschlösschen von Weil, die Seitenlänge
des Quadrats des Grundrisses einer Bruchzahl entspricht, aber das ist die
Folge der obengenannten Methode. Salucci konstruierte das Quadrat auf einer
Länge von 65 Fuß, dann teilte er die Seiten in drei Abschnitte,
deren mittlerer 25 Fuß lang war. Diese Linien waren die Achsen der
Außenmauer und der wichtigsten inneren Mauern. Da die Dicke der Außenmauern
2,5 Fuß beträgt, kommt man zu den obengenannten Maßen.
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- 14) jeder 9 Fuß lang
-
- 15) Die Säulen dieses Säulenganges haben einen Durchmesser
von drei Fuß. Hier spricht der Autor von großen Säulengängen,
weiter unter von mittleren Vorbauten und Mittelteilen, weil er versucht,
gleichzeitig ihre gegensätzlichen Aspekte zu beschreiben, wenn sie
auch untereinander gleich sind. Die Breite aller Säulengänge
beträgt nur eine einzige Interkolumnie von der Dimension derer der
Außenseite, aber im Säulengang des Haupteingangs überschreitet
die seitliche Interkolumnie die der Vorderseite um die Hälfte, damit
hier die Kutschen ohne Hindernis durchfahren können, was durch den
Aufstieg von Seilen, die sich an den Seiten des Säulenganges befinden,
geschieht.
-
- 16) Diese sind 8 Fuß lang, die der Seiten 9 Fuß. Der Durchmesser
der Säulen beträgt 2 1/3 Fuß.
-
- 17) Von denen sind die 4 mittleren 9 Fuß groß, die neben
dem mittleren Teil 10,5 Fuß und die andere 10 Fuß. Die Fenster
sind 4 2/5 Fuß breit, ihre Höhe beträgt 2 Quadrate.
-
- 18) 8 Fuß die 3 mittleren und 3/4 die beiden übrigen.
-
- 19) Von denen haben die 5 mittleren 9 Fuß, die beiden äußeren
10.
-
- 20) Die Säulen des Mittelteils sind 9 Durchmesser hoch, sie haben
einen attischen Sockel und ihr Kapitell ist dem ionischen Kapitell des
Tempels sopra l'ulivo ähnlich: sie stützen einen ganz einfachen
Rahmen von fast zwei Neuntel ihrer Höhe. Der untere Stil, den Salucci
fälschlicherweise toskanisch genannt hat, ist dorisch, aber auf eine
Weise, die der ionischen ähnelt: in der Tat betragen die Maße
des Gesims nicht mehr als ein Fünftel der Höhe der Säule;
der Tragbalken ist ohne Unterteilungen, wird aber an Stelle des Zierbandes
von einem umgekehrten Karnies mit Zierleiste gekrönt; im Fries gibt
es keine Triglyphen; der Rahmen ist einfach und passt bestens zum Gebälk
im Hauptstil; nur dass er leider im Eierstab abschließt, so dass
das Profil verkrüppelt erscheint. Die Höhe der Säulen beträgt
7,5 Durchmesser, sie sind ohne Sockel und ihr Kapitell hat eine Halskrause.
Die Höhe konnte die festgesetzte nicht überschreiten, wegen der
Vorschriften des Programmes, dass die Räume weder zu groß noch
zu hoch sein sollten; wenn Salucci daher für den Stil, um den es geht,
einen ionischen anstelle des so abgeänderten dorischen verwendet hätte,
wären die Säulen im Vergleich zu denen im Hauptstil zu dünn
geworden; auch im Verhältnis zu den anderen Aspekten des Gebäudes.
- Die Dachwohnung wird durch eine glatte Wand geformt, die mit einem
einfachen Rahmen abschließt. Ihre Höhe ist die Differenz zwischen
der Höhe des unteren Stils und der der Säulen des Mittelbaus.
Diese Dachwohnung war in unserem Fall notwendig, um eine Proportion zwischen
der Höhe des Gebäudes und seiner Länge wiederherzustellen.
Nach dem, was ich hier dargestellt habe, bleibt man davon leicht überzeugt,
dass es in der Ausschmückung des Gebäudes nicht an der notwendigen
Einheit fehlt, woran man richtigerweise bei der ungenauen Nomenklatur des
Architekten hätte zweifeln können.
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- 21) 5 Fuß hoch. Selbiger ragt vom Zentrum der Eckpilaster aus
9,5 Fuß hervor. Man kann ihn durch die Treppen, die vor jedem der
Bogengänge stehen, erreichen.
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- 22) Diese beginnen unter der Traufe und reichen bis zur Fensteröffnung,
ganz wie es sein muss.
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- 23) Über jedem dieser Fenster ist eine rechteckige Abvierung,
um dort ein Basrelief einzulassen. Man beachte noch, dass über dem
Gesims nicht die Dachwohnung ist, weil es keine Gründe gab, sie dort
zu bauen.
-
- 24) Das Stockwerk dieser Höfe liegt zwei Stufen unter der Terrasse,
die das Gebäude umgibt, und das der Wohnungen liegt eine Stufe über
dieser Ebene.
-
- 25) Dieser Stil ist in beiden Sälen in allen Einzelheiten gleich.
Durchmesser der Säulen 2 Fuß, Höhe 8,5 Durchmesser; das
Fundament attisch ohne Sockel; das Kapitell fast von der gleichen Form
wie das des äußeren Hauptstils, aber mit einem eingeschnittenen
Abakus: über den Säulen ist nur der Tragbalken mit einer Höhe
von 2/3 ihres Durchmessers.
- Sowohl die Decke des Speisesaals, wie auch die des Bogengangs, der
den Hauptsaal umgibt, liegen direkt auf dem Tragbalken, der in der Breite
des Bogengangs von den Säulen bis zu den Pilastern reicht, die ihn
zurückschlagen, aber das Gewölbe des Hauptsaals ist 4 Fuß
höher angelegt. Das falsche Dachgeschoss, wie ich aus Analogie den
Mauerstreifen zwischen Tragbalken und Anlage des Gewölbes nennen werde,
denn ich wüsste keinen anderen Begriff zu seiner Beschreibung, weil
das Wort Fries unpassend ist: dieses falsche Dachgeschoss hat als Sims
eine große gerade Rille mit einem Rundstab darunter, beide sind geschnitzt;
sein Würfel wird von Basreliefs bedeckt, die eine Abfolge von Geschichten
bilden; die Basreliefs, von denen ich nicht weiß, ob sie aus Stuck
oder aus Gemälden bestehen, erscheinen verschoben, da zwischen dem
einen und dem anderen ein erhobenes Bändchen ist. An den Kopfenden
des Saales bildet dieses falsche Dachgeschoss die Brustwehr der Orchester.
Das Gewölbe ist in rechteckige Felder verschiedener Größe
aufgeteilt; in den kleinen sind Rosetten, in den großen Bilder.
-
- 26) Über allen anderen Teilen, die sich im Mittelbau befinden,
das heißt über dem Speisesaal, dem Vestibül und den verschiedenen
diesen Sälen angehörenden Zimmern, befinden sich Wohnräume,
die zwei Wohnungen ergeben, die durch Korridore, die über den Bogengängen
des Hauptsaals liegen, miteinander verbunden sind. Dieses Stockwerk, dessen
Existenz außen durch die Wiederaufnahme des Tragbalkens im Nebenstil
angezeigt wird, erhält Licht durch die Fenster, die in Korrespondenz
zu den äußeren Öffnungen des unteren Stockwerks liegen.
Die Breite dieser Fenster beträgt 3 Fuß, die Höhe 5 Fuß,
sie werden auf allen vier Seiten von den Verzierungen der Fensterpfosten
umrahmt.
-
- 27) Vitruvio. lib. VI, cap. V. Pallad. lib. II, cap. X Milizia Principi
ec., par II, lib.III, cap. V, sez. XI.
-
- 28) Einer dieser Grundrisse wurde nach dem Auszug eines von Pompeja
am 15. Januar 1829 geschriebenen Briefes ausgeführt, wiedergegeben
in der Frankfurter Zeitung, Nr. 46 des Jahres 1829.
-
- 29) Aus dem Griechischen ,mit der Bedeutung " sehen".
-
- 30) Der Bau dieses Gebäudes brachte 13,351 Gulden ein.
-
- 31) Auf die Rückseite dieser Zeichnung schrieb Salucci eigenhändig:
Einfall zum Projekt der neuen Domorgel, entworfen vom Architekten Salucci
im Juli 1844, fünfundsiebzigstes Jahr seines Lebens.
Ausgewählte Biographie
-
- &laqno;Giovanni Salucci, der erste Hofbaumeister König Wilhelms
I. von Württemberg. Ein Leben und Schaffen bis zu seinem Ausscheiden
aus dem Hofdienst im Jahre 1828»
- von Dr. Ing. Wilhelm Speidel
- W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart (1936)
-
- &laqno;Giovanni Salucci, il primo architetto di corte di Guglielmo
1º, re del Württemberg. Vita e opere fino alle sue dimissioni
dal servizio di corte nell'anno 1828»
- del Dott. Ing. Wilhelm Speidel
- Ed.: W.- Kohlhammer Verlag, Stoccarda (1936)
-
- &laqno;Giovanni Salucci zum 150. Todestag»
- Ausstellung erinnert an den Baumeister
-
- &laqno;Giovanni Salucci nel 150. anniversario della sua morte»
- Un'esposizione ricorda l'architetto
-
- &laqno;Ein Meisterstück der Baukunst im echt antiken Geschmack»
- von Michael Wenger - erschienen in
- &laqno;Schlösser - Baden-Württemberg», Band Nr. 2/95
- Stuttgart (1995)
-
- &laqno;Un capolavoro d'architettura di gusto veramente antico»
- di Michael Wenger apparso su:
- &laqno;Castelli - Baden-Württemberg», volume nº 2/95
- Stoccarda (1995)
-
- &laqno;Giovanni Salucci, Hofbaumeister König Wilhelms 1. von Württemberg/1817-1836»
- Katalog zur Ausstellung zum 150. Todestag des florentinischen Architekten
vom 16. Mai bis 1. Juli 1995, veranstaltet von der Oberfinanzdirektion
Stuttgart im Wilhelmspalais (1955)
-
- &laqno;Giovanni Salucci, architetto di corte di Guglielmo 1º,
re del Württemberg/1817-1836»
- Catalogo della mostra per il 150.mo anniversario della morte dell'architetto
fiorentino dal 16 maggio al 1º luglio 1995, organizzata nel Wilhelmspalais
dalla Direzione delle Finanze, Stoccarda (1995)
-
- &laqno;Giovanni Salucci (1769-1845). Angaben zu seinen früheren
Werken im Königreich Württemberg im Zeitalter Napoleons»
- Ausstellungskatalog, Band 2
- Württembergisches Landesmuseum, Stuttgart (1987)
-
- &laqno;Giovanni Salucci (1769-1845). Dati sulle sue prime opere nel
regno del Württemberg all'epoca di Napoleone»
- Catalogo d'esposizione, volume 2
- Museo regionale del Württemberg, Stoccarda (1987)
-
- &laqno;Ein König und sein Baumeister - Wilhelm I. von Württemberg
und Giovanni Salucci»
- von Rotrand Harling
- Jost-Jetter Verlag, Heimsheim (1995)
-
- &laqno;Un Re e il suo Architetto - Guglielmo 1º del Württemberg
e Giovanni Salucci»
- di Rotrand Harling
- Ed.: Jost-Jetter Verlag, Heimsheim (1995)
-
- &laqno;Giovanni Salucci (1769-1845) - Von Florenz nach Stuttgart»
- von Bruno Zoratto
- "Nuovo Oltreconfine" - Zeitschrift für Italiener in
Deutschland -
- Nr. 2/95 und 4/95
- Edizioni Oltreconfine, Stuttgart (1995)
-
- &laqno;Giovanni Salucci (1769-1845) - Da Firenze a Stoccarda»
- di Bruno Zoratto
- "Nuovo Oltreconfine" - periodico per gli Italiani in Germania
-
- nº 2/95 e 4/95
- Edizioni Oltreconfine, Stoccarda (1995)
Salucci verständigte
sich in Französisch mit König Wilhelm I. von Württemberg
-
- Majestät,
- das Bauvorhaben hinsichtlich eines Gebäudes öffentlicher
und privater Nutzung statt der alten Gebäude, die unter dem Namen
"Zeughaus" bekannt sind (ist machbar - Hinzufügung des Übersetzers),
da die drei Eigentümer, die an jenem Unternehmen teilnehmen, beschlossen
haben, bei mir Rat über die zweckmäßigsten Maßnahmen
zur Erreichung des doppelten Nutzungszwecks dieses Gebäudes einzuholen,
habe ich den Bauplan, den sie wünschen, entworfen und hoffe, daß
Euer Majestät diesen genehmigen.
- Indem ich dem Vertrauen dieser ehrenwerter Bürger entsprochen
habe und vor allem, da ich unendlich geschmeichelt bin, daß ich die
Unterstützung Eurer Majestät bekomme, habe ich Sie gebeten, mir
die Gnade zu erweisen, Ihnen mein Werk zu unterbreiten und zu erklären.
- Ich habe die Ehre, Majestät, in der höchsten Achtung Eurer
Person und Eures Amtes, der demütigste, gehorsamste und untertänigste
Diener Eurer Majestät zu sein.
-
- Salucci
-
- Stuttgart, 21. Juni 1834
-
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